(Zuerst
erschienen in „protokolle“, Zeitschrift für Literatur und Kunst.
Herausgegeben von Otto Breicha. Wien und München, Verlag Jugend und Volk.
Jahrgang 1980, Band 1, Seiten 3-28.
U1rich Goerdten
SYMBOLISCHES
IM GENITALGELÄNDE
Arno Schmidts "Windmühlen" als Traumtext
gelesen
SCHMIDT-PHILOLOGIE
Im
Jahre 1964 legte Arno Schmidt in dem Band "Kühe in Halbtrauer" (KiH)
zehn Erzähungen vor, in denen die literatur-psychologischen Einsichten der
Joyce- und Carroll-Essays und der Karl-May-Studie "Sitara" (Sit)
erstmals konstruktiv in die eigene Produktion eingebracht waren. Die Leserwelt
reagierte zurückhaltend. Respektvoll-oberflächlichen Besprechungen und dem gehässig-bornierten
Verriß Ranickis folgte eine längere Zeit der Stille. Das Geraune um das opus
magnum ~Zettels Traum (ZT) hatte begonnen, und mit seinem Erscheinen
konzentrierte sich das Interesse auf dieses eine Werk, neben dem alles sonst
noch von Schmidt Publizierte im Bewußtsein der Leser zunächst zum bloßen
Vorgelände schrumpfte. Das hat auch die Rezeption der KiH-Erzählungen verzögert
Sie ist überdies von Mißverständnissen beeinträchtigt worden.
Es
ist nicht allein das im deutschen Sprachbereich bisher unbekannte Phänomen bewußt
mehrstimmig konstruierter Texte, das dem ungeübten Leser den Zugang zum
tieferen Verständnis versperrt. Es müssen ernstere Hemmnisse walten. Ohne
diese Annahme bleibt es schwer erklärbar, warum die sonst so emsigen
Schmidt-Philologen es bisher nicht vermocht haben, hilfreiche Orientierungen zu
liefern, die das Buch als Ganzes aufschließen. Man ist versucht, hier einen
Widerstand im psych~ analytischen Sinne zu vermuten, jenen Abwehr- und
Zensurmechanismus, dessen hemmende Kraft das Erkennen des eigentlichen Sinnes
von Äußerungen des Unbewußten, besonders der Traumbildungen, so schwer macht.
Zu weitgehend ist möglicherweise die Übereinstimmung der von Schmidt
dargestellten Sachverhalte und seiner künstlerischen Mittel mit den
Gegebenheiten im Leser selbst, es wird so viel unterdrücktes Material durch
seine Texte mobilisiert, daß das Leserbewußtsein sich durch eine Art
Gesichtsfeldeinengung vor zuviel Erkenntnis schützen muß. Die Blindheit gegenüber
dem Offenbaren, die Abwehr verdrängter Triebregungen und ihrer Abkömmlinge,
der Symptomhandlungen und Fehlleistungen im täglichen Leben, bleibt als
zwanghaft-gewolmte Selbstschutzhaltung auch bei der objektiven Beschäftigung
mit dem literarischen Text wirksam. Selbst Leute, die mit Eloquenz über des
Autors Theorien und Techniken referieren und dem noch Ahnungsloseren die Schlüssel
zum Verständnis auf silbernstem Tablett zu präsentieren vermeinen, sind
bisweilen nicht imstande, die aufeinander abgestimrnten Haupt- und Nebenthemen,
die witzigen Verkleidungen, die zutage liegende Gesamtstruktur eines Textes zu
erkennen.
Exemplarisch
das vordergründige Mißverstehen bei Heinrich Vormweg, der noch 1973von der
Beschränkung auf die Erlebnisebene „der unmittelbar erfahrbaren Realität“
spricht: „Diese hat Schmidt in dem Erzählungsband ,Kühe in Haibtrauer'
(1964) zu
realisieren versucht, und zwar höchst eindringlich. Zustände der
Wohlstandswelt, ländlich-sittlich filtriert, werden mit sarkastischer und
gleichmütiger Genauigkeit nachgesprochen." 1
Natürlich
kann man die Geschichten auf diese eindimensionale Weise lesen. Es ist sogar ein
Vozug Schmidtscher Prosa, daß man sie selbst auf diese Art noch mit Gewinn und
Genuß lesen kann. Nur wird nach solchem Verfahren nur ein Bruchteil der Totale
bewußtt erfaßt, nämlich etwa so viel, wie der Träumer Karl in „Kundisches
Geschirr“ vom Inhalt seines eigenen Traumes versteht.
Die realistische Oberfläche wird in KiH so virruos-glaubhaft vorgeführt, die eingearbeiteten Neben- und Hinterbedeutungen werden dem Leser so unaufdringlich-beiläufig nitergeschoben, daß schon beträchtliche Schulung im Lesen erforderlich ist, wenn man dem „Klarglas-Witzbold“ auf die Schliche kommen will. Ausschließliche Fixierung auf die realistische Oberfläche jedenfalls verhindert den Zugang zu Schmidts Prosatexten. Das ist, seit es den „Bargfelder Boten“ gibt, keine neue Bemerkung mehr.
Seit
1972 erscheint dieses Organ der Arno-Schmidt-Philologen, das der
,,Entschlüsselung“ des Gesamtwerkes von Arno Schmidt dienen soll. Als
„Entschlüsselung“ freilich wird überwiegend die Erklärung schwer verständlicher
Details betrieben, zu historischen Namen werden die biographischen Angaben
nachgeliefert, und die Herkunft literarischer Zitate wird nachgewiesen. Die
richtige Erkennt:nis der Unzulänglichkeit eines solchen Minimalprogramms führte
dann zum Abdruck auch längerer Abhandlungen, später sogar zu
Sonderpublikationen größeren Umfanges. Besondere Aufmerksamkeit wurde der
KiH-Erzählung „Galiban über Setebos“ (CÜS) gewidmet, die in den Heften 3
(1973) und 5/6 ((1973) von Hartwig Suhrbier, Robert Wohlleben und Joachim Kaiser
untersucht wurde. Das schon Ende der sechziger Jahre aufgedeckte „mythische
Substrat“ der Erzählung, das Orpheus-Thema, wurde hier in vielen wertvollen
Detailerläuterungen vorgeführt.
Die
Freude über diesen Fund verführte die Forscher jedoch zu der Annahme, daß
wohl alle nach 1960 erschienenen
Arbeiten Arno Schmidts in gleicher Weise mit „altn Motiewen“2
unterfüttert sein müßten. Die nun einsetzende Suche nach weiteren
„mythischen Substraten“ in den KiH-Erzählungen ist dann aber ohne überzeugendes
Ergebnis geblieben.
Als ziemlich abenteuerliche lucus-a-non-lucendo-Interpretation mutet zum Beispiel der Versuch Reinhard Finkes an, in „Kundisches Geschirr“ den in ZT ausführlicher behandelten Isis-Neith-Komplex nachzuweisen.3 Was hier an scharfsinnigster interpretatorischer Willkür geleistet wird, ist atemberaubend und wird in seiner unabgesicherten Verstiegenheit nur noch durch den stolzen Wagemut überboten, mit dem die glatte Stimmigkeit der Deutungen am Ende behauptet wird. In dieser Erzahlung geht es, in Analogie zum Erzählungskern, der Analyse eines Coitus-a-tergo-Traumes, immer wieder um Analerotik und ihre diversen Spielarten. Kein Wort davon in Finkes Aufsatz. Das „Anstößige“ wird offenbar nicht wahrgenommen. Die gesamte Auslegungsakrobatik dient der unbewußten Tendenz, von den analen Assoziationen abzulenken.
Selbst
der als Schmidt-Philologe so verdiente Jörg Drews nennt nächst ZT nur CüS als
das Werk, in dem ,,,condensation’, ,displaoernent’, ,oompromise
formation’, ,overdetermination’, ,symbolic representation’ and all sorts
of ,parapraxis’ on the verbal level and in the imagery“4 als Techniken zur Einarbeitung von Mehrfachsinn
verwendet werden.
Es
fehlt hier, wie bisher überhaupt, die angemessene Lesehaltung. Was Wilhelm
Stekel für den Umgang mit Träumen empfiehlt, gilt uneingeschränkt für den
Umgang mit Arno Schmidts Prosa insgesamt: „Die eigene Schulung zum Lesen [...] besteht in einer veränderten Auffassung der Sprache,
in einem Aufspüren der Zweideutigkeiten
und einer Kenntnis der Symbolismen und Vorgänge der Traumentstellung. 5
Erstaunlich
ist, daß Drews diese Voraussetzungen zurn rechten Lesen zwar zu kennen scheint,
sie aber ausschließlich auf CüS und spätere Arbeiten Schmidts angewendet
wissen will. Es mangelt offenbar an der Einsicht in die Gleichförmigkeit der in
den zehn Erzählungen verwendeten literarisch-technischen Verfahrensweise. Man
vergegenwärtige sich die Arbeitsstrategie Schrnidts, wie er sie in den
„Berechnungen“ dargestellt hat. Für die Entwicklung einer neuen Prosaform
wird jeweils eine Anzahl von konstitutiven Variablen zueinander in Beziehung
gesetzt, die in planmäßig wechselnden Arrangements die unterschiedlichsten
Ausprägungen in Gesamtkonzeption und Kleindetail der einzelnen Prosastücke zur
Folge haben. Solche nach gleichsam phylogenetischer Methode entwickelte
Einzelformen haben ihren Festpunkt und Stellenwert im Rahmen der größeren
Versuchsreihe. Das Verbindende ist die gleichbleibende neue Schreibtechnik, die
nach dem Prinzip der ,,entwickelnden Variation“ durchgespielt wird.
Daß es sich so auch mit den KiH-Erzählungen verhalte, daß auch sie eine Versuchsreihe bilden, kann natürlich vorläufig nur hypothetisch gesagt werden. Endgültiges über die Haltbarkeit dieser Annahme dürfte sich erst ergeben, wenn verläßliche Einzelinterpretationen zu allen KiH-Erzählungen vorliegen. Daran mangelt es leider noch allzusehr. Reinhard Finkes Arbeit über ,,Kundisches Geschirr" ist nach meiner Auffassung alles andere eher denn verläßlich. Brigitte Degener beschränkt sich in ihrer Abhandlung zu ,,Die Wasserstraße"6 auf die Untersuchung von Teilaspekten (,,Zeitstruktur", ,,Raumstruktur", ,,Struktur von Vorgang und Figuren"). Unbewußt-gefühlsmäßig hat sie mit ihrem psychologisierenden Ansatz das Richtige getroffen. Sie liefert auch treffliche Einzelbeobachtungen Ihre Arbeit krankt jedoch entscheidend daran, daß unpassende und teilweise gewaltsam herangeschleppte Bildungsgüter (C. G. Jungs Psychologie und strukturalistische Theoreme) den an sich richtigen Detail-Erkenntnissen übergestülpt werden, wodurch der Gesamtaspekt schief und schielend wird. Das einzige, wegen seiner leichteren Durchschaubarkeit in einem ersten Anlauf bereits intensiver behandelte, jedoch auch nur notdürftig erschlossene Stück, ,,Caliban über Setebos“, ist immer nur als über den Rahmen der anderen Erzählungen weit hinausragende Ausnahme behandelt worden. Die Erzählung sollte nach meiner Meinung, trotz aller besonderen Wertschätzung, die sie verdient, eher als ein Höhepunkt im Kontinuum angesehen werden.
Als
Vorbild für die hier verm~ten Arbeiten sei Josef Huerkarnps Interpretation der
Erzählung ,,Tronnnler beim Zaren" genannt.7
Huerkamp weist nach, daß das anekdotisch-harmlos erscheinende Kernstück der
Erzählung, der Bericht vom Schmuggel eines Reisebusses aus dem Westen via
Berlin in die DDR, eigentlich die Darstellung homosexueller Aktivitäten enthält,
und wie dieses Grundthema Homosexualität in allen Einzelzügen der
Figurenkonstellation, der Wortwahl, der Erzählhaltung usw. wirksam ist. Dies
immer mit Blick auf das Gesamtwerk Schmidts, in dern die Trommler-Erhählung
nach Huerkamp „Gelenkstellenfunktion“ hat, als einer ,,jener Punkte, an
denen die Wende vom überwiegend referentiellen Realismus des Frühwerkes zur
realisierten Ironie des späteren Oeuvres abzulesen ist“.
Huerkamp
erliegt nicht der im Bargfelder Boten fast schon zum Stereotyp gewordenen
Neigung zum Quellenaufspüren und Realienerläutern, sondern versucht, ohne je
die Totale aus dem Blick zu verlieren, alle forrnal-strukturellen und
inhaltlich-semantischen Elemente unvoreingenommen zu betrachten und ihre
Bedeutung im Gesamtwerk wie im Einzelstück zu untersuchen, eine Einstellung,
vergleichbar der Benutzung eines einrohrigen Fernglases, wobei das eine
unbewaffnete Auge die Gesamtansicht festhält, während das andere aufs herangerückte
und vergrößerte Detail eingestellt ist.
WINDMÜHLEN
Die
im folgenden genauerer Betrachtung unterzogene Erzählung ,,Windmühlen“ -(Wm)
weist deutliche Parallelen zur Trommler-Erzählung auf. Auch sie erscheint,
oberflächlich gesehen, ganz harmlos und unverdächtig. Das Wortmaterial in
beiden Erzählungen ist nur durch minimale Schreibvarianten entstellt,
Verschreibungen kommen fast nur als genau notierte Dialekt- und Sprecheigentümlichkeiten
der Personen vor, literarische Zitate, wie die Rilke-Worte in Cüs, die ein
ostinates Untergrundthema bilden, sind kaum vorhanden. Auch in Wm gibt es eine
Kern-Erzählung, den Bademeisterbericht über ,,Urningsleben“, und eine
mehrfache „Rahmung". Beide Erzählungen handeln von Homosexualität.
,,Trommler
beim Zaren“ ist zuerst in der Süddeutschen Zeitung vom 26. 9.1959 erschienen, Wm wurde erstmals 1960 im Novemberheft der Studentenzeitung
„konkret" publiziert. Man kann daraus schließen, daß beide Stücke kurz
nacheinander entstanden sein müssen. Wm eröffnet die Reihe von sechs Arbeiten,
die bis Oktober 1962 in ,,konkret“ erschienen sind und dann in den Band ,,Kühe in
Halbrauer“ übernommen wurden. Wm wurde außerdem abgedruckt in einem
Sammelband zeitgenössischer deutscher Prosa (,,Das Atelier“, Hrsg. Klaus
Wagenbach. Fischer-Bücherei. 455).
,,Das
einzige Stück von Rang“, schrieb Hans Wollschläger in einer Besprechung
dieser Anthologie, ,,von großer Souveränität über die kleine Form, ist Arno
Schmidts ‚Windmühlen’. Als Typus wie an Gültigkeit im Zeitgenössischen
ohne Vergleich.“8
Der Autor hat selbst an zwei Stellen im Werk Hinweise auf Wm angebracht: einmal
in ,,Sitara“ (S. 322), wo eine Einzelheit, die Kleiderphantastik der
Invertiertn, den Anlaß zur Erwähnung hergibt. Außerdem in ,,Piporakemes“!:
hier wird von ,,Dr. MacIntosh“ bruchstückhaft über Schmidts Ansichten bezüglich
Übersetzungen und Übersetzer referiert: ,,(zu c) ,Wenn ’n Milljonär
schriebe, würz aber kostschpielich, den Betreffenden zu <schtimm'm>. oder
’n Schwuler: hab' ich Dir übrijns schon ma von Bad Frimmersen erzählt? Von
dem Bademeister neulich? [....] (Hier sei er wieder in eine seiner
endlos-verworrenen & -verwirrenden Geschichten abgeirrt - irgendwas von
Windmühlen.)“ (KiH, S.345 f.) Solche Selbstzitierungen, häufig im Werk Arno
Schrnidts, sollte man nicht gering achten, sondern als vom Autor gesetztes
Signal und Hinweiszeichen auf ein Stück von besonderer Bedeutung ernst nehmen.
,,Endlos-verworren
& -verwirrend“ ist der äußere Handlungsablauf kaum, vielmehr denkbar
schlicht: Zwei Männer auf einer Autofahrt machen einen Abstecher nach
Frimmersen, einem Ort im Niedersächsischen, um dem dortigen Bademeister einen
Brief zu überbringen. Der beobachtet vom Bademeisterhaus her das besonnte
Gewimmel im Schwimmbad, neben ihm tut ein offenbar Invertierter das gleiche. Während
des nachlässig-entspannten Geplauders der vier Männer berichtet der
Invertierte über seine jüngsten Italien-Erlebnisse, dann, nachdem der
Bademeister den Brief gelesen hat, berichtet dieser verzweifelt, daß er für
vier Wochen nach Urningsleben abgeordnet sei. Er schildert seine Erlebnisse dort
im vorigen Jahr, wo Einsarnkeit, schlechte Unterkunft, skurrile Wirtshausgäste
und vor allem sechs in ständiger Bewegung begriffene Windmühlenmodelle ihn
derart aufgeregt hätten, daß er sie mit Hilfe zweier Paddler in den Teich
geworfen, sie anschließend jedoch renig wieder herausgeholt und an ihrem alten
Standort festgenagelt habe. Nach diesem Bericht verlassen die zwei Besucher das
Schwimmbad und setzen ihre Fahrt fort.
Man kann diesen Text nach der Vormweg-Methode als naturalistische Abschilderung eines Wirklichkeitsausschnittes lesen, als „un coin de la nature, vu à travers un tempérament' (Zola). Dann aber auch, in bemühtem Tiefsinn, als ambivalente Darstellung des Gegensatzes von Schwimmbad-Rummelparadies und Teich-Wald-und-Wiesen-Einsamkeit („locus amoenus“ versus ,,locus terribilis“). Das in beiden Selbstzitierungen Schmidts besonders hervorgehobene Thema Homosexualität könnte in diesem Verständnisrahmen so erklärt werden, daß nur noch in der Abweichung vom Normalen die Qualitäten der locus-amoenus-Sphäre vorfindlich, diese aber auch schon vom Falschen verschandelt sei. Das Ganze dann verstanden als ein schwermütiger Abgesang auf die letzten, selbst schon fragwürdig gewordenen Idyllen, darin die Windmühlen ein änigmatisches Sinnbild von tiefsinniger Banalität, das die infantile Verschrobenheit abbildet, um deren Preis allein das Idyllische noch möglich ist.
Es
fallen beim wiederholten Lesen jedoch mehrere kräftige Zweideutigkeiten auf,
die mit den eben skizzierten Interpretationsmodellen nicht so recht harmonieren
wollen. Sie können, so markant, dem Autor nicht unbeabsichtigt „aus der Feder
geflossen“ sein: „....daß der Bademeister die Hand von der Pfeife ließ“
. . . (S. 82), „wie wir die Dinger wieder sauber waschen...“ (S.
85), „ .... beide wurden im selben Moment fertig...“ (S. 85), „.... so
ganz merkwürdig hoch, wie wenn Einer mit ’m Kopp durchkommen will...“ (S. 82). Fragwürdig wird das erste Verstehen auch, sobald man die schon eher
Ein- denn Zweideutigkeit der beiden Ortsnamen „Frimmersen“ und
„Urningsleben“ begreift.
Nach
Auskuft niederdeutscher Wörterbücher und nach van Dales niederländischem Wörterbuch
bedeuten die stammverwandten Wörter „frimmeln“, „frîben“ und
„wrijven“ nervöses Gereibe und Gewische, beim kölnischen „frimmele“
vorzüglich an den Genitalien. Das klanglich naheliegende Wort ,,krimmern“
wird von Schmidt mehrfach in obszönem Sinne benutzt. Im „Steinernen Herz“
wird auf Seite 26 diskret gekrimmert, d. h. mit einem Finger gekratzt. In ZT 908
rm kommt auch die Kimme gebührend zur Geltung: „((wäre nich der 1=kleine
Fing-gewesn!; mit dem siesich (für W unsichtbar) k(r)immerte))“.
Bei
Urningsleben scheint es nach meinen Erfahrungen nicht überflüssig, den
„Urning“ zu erklären. Das Wort ist heute fast ganz außer Gebrauch und
selbst Gebildeten nicht mehr geläufig. Es ist eine in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts aufgekommene Bezeichnung für den Homosexuellen, aus der
Mythologie abgeleitet von „Venus urania“. Urheber scheint Magnus Hirschfeld
zu sein, der das Wort „Urning“ sowie das weibliche Gegenstück ,,Urlinde“
in seinem Buch „Ursachen und Wesen des Uranismus“9
verwendet. Die im Magdeburgischen und Thüringischen häufige Ortsnamenendung
„-leben“ steht in Beziehung zum gotischen „leifs“ (= Stück, Erbe) und
bedeutet wie ,,-hof'“, ,,-heim“, ,,-hagen“ ein Besitztum. Schmidts
,,Urningsleben“ liefße sich ins Geläufig-Verständliche vielleicht am
ehesten als ,,Schwulenhausen“ übersetzen.
Die
auffälligen Zweideutigkeiten und die mit sexuellem Hintersinn beladenen
Ortsnamen legen die Vermutung nahe, daß im ,,harmlosen“ Text noch Weiteres
verborgen sein und daß ein ganz anderes lnterpretationsmodell nötig werden könnte.
Die Beschreiburg der Anfahrt zum Schwimmbad liest sich, sobald man einmal
aufmerksarn geworden ist, plötzlich ganz anders.
Die
sonst nur skurrile Frage nach Ortschaften ohne Coca-Cola gewinnt sofort neue
Qualität, wenn man das Zündwort etymgeschult als ,,Guck, a cul, la!“ liest.
Dann heißt es schlicht: „Sieh da, ein Hintern“ und fügt sich wohl zum
knallroten Lastautoheck („Ein Laster“ ist ja auch zweierlei!), zu dem einem
routinierten Automobilisten noch die Rutschmirdenbuckelrunter-Variante ,,du
kannst mir mal am Auspff schnuppern“ einfallen mag. ,,Geübt & kalt“
werden sogleich „Fönixe“ und „Einhörner“ hergezählt, von denen die
ersteren wegen ihres Vermögens immer wieder aufzuerstehen, die letzteren wegen
ihres außerordentlichen, nimmer darniederliegenden Hornes in der Mythologie wie
in der Traumsymbolik Phallus-Stelle vertreten.
Was
es mit dem siderischen Phänomen einer ,,Bedeckung des Jupiter vom Mars“ auf
sich hat, erklärt eine Parallelstelle in Schmidts ,,Seelandachaft mit
Pocahontas“, wo die Erwähnung einer ungewöhnlich langen Venusbedeckung
gespielt-sittige Entrüstung hervorruft (,,Aber Herr Bo-mann!“), weil im Wort
„Bedeckung“ die Sexualbedeutung unüberhörbar mitklingt. (Vgl. R & P,
S. 35). Mars und Jupiter als männliche Namengeber fur die Gestirne
signalisieren hier natürlich homosexuellen Verkehr.
Ölbohrtürme
- welch gedunsenes Wort - sieht man nur, wenn man sich dem unweit Bargfelds
gelegenen Ort Hänigsen, der hier wirklichkeitsgetreu abgeschildert ist10,
von Süden her nähert. Die Symbolik der Himmelsrichtungen ist in Sit ausführlich
genug abgehandelt. Karl Mays Geni-Täler, Felsspalten und Talkessel liegen
habituell von Süd nach Nord, das heißt grob gesagt in der Richtung ,,von den
Fußen nach oben“. Hier sei auch gleich der ,,Nordpfeil“ (S. 79) erwähnt,
durch den diese Himmelsrichtung~Hypothese noch abgesichert wird. Türme als
Penissymbole ragen in jedermanns Träumen so haufig, daß sich Nachweise für
diese Symbolübersetzung eigentlich erübrigen. ,,Nach Öl bohren“ ist
Borneman 11
zufolge ein volkssprachlicher Ausdruck für koitieren. Nun wird man auch
den Brunnen in seiner denkmalsmäßigen Bildhaftigkeit nicht mehr ohne sexuelle
Nebengedanken betrachten können, wenn man den Lauf des Strahls aus der Öltonne
des steinernen Prospektors in Mutter Erdes zernentenes Schnutchen verfolgt.
Der
,,Schlachter-Fleischer-Metzger“, diese Zusanmenfassung regionaler
Bezeichnungen wirkt wie ein erster Übersetzungsversuch auf ein
zugrundeliegendes fremdsprachliches Wort. Mag auch das englische ,,butch“
einiges hergeben, so braucht man doch keinen so weit hergeholten Hintersinn zu
ergrübeln. Seine Bedeutung ergibt sich aus dem bald ins Gesichtsfeld der
Akteure und Leser kommenden Schwirnmhad, zu dem wiederum Borneman verbindende
Wortbildungen liefert, vom „Fleisdimarkt“, „Fleischsalat“ über die
,,Fleischwiese“ bis hin zum Ausdruck „eingefleischt wie im Schlachthaus“.
Hier
wird ein Hauptthema der Erzählung präludierend eingeführt, und die von
Wollschlläger gerühmte ,,Souveränität über die kleine Form“ wird nicht
zum geringsten Teil durch die delikate Handhabung solcher Motiv-Variationen
bewirkt. Auch „Austern-Stew & Leberkäse & Krabben &
Wiegebraten-in-Scheiben“, die der Erzähler kaufen soll, erscheinen variiert
als ,,Sardellenpasten, Krabben in Gelee und lauter so'che sem'jen Sachen“ (S.
77) und noch einmal als „Arm- und Bein-Salat in azurener Schüssel“ (S. 86).
Fleischerei
und Schwimmbad werden durch diese Verbindungen als Metamorphosen eines im Grunde
Gleichbleibenden erkennbar. „Wer hat eigentlich als Erster erkannt, daß 1 Raupe
& 1 Schmetterling dasselbe sein könnten? Buffon?“
(KiH, S. 87). Diese in einer anderen Erzählung des Bandes ganz nebenbei
fallende Frage kann, so gesehen, nur als erklärender Hinweis auf ein
durchgehendes Strukturmerkrnal der KiH-Erzählungen verstanden werden. Die im
folgenden immer wieder nebenher aufgezeigten Parallelen zur Trommler-Erzählung
lassen sogar die noch weitergehende Vermutung zu, daß sie und Wm wie Raupe und
Schmetterling zwei Entwicklungsstufen desselben Motiv-Komplexes darstellen.
Als
erstes fällt den Ankommenden der Sprungturm des Schwimmbades ins Auge, ,,kaum
daß er recht Gas gegeben hatte“, wie es in grammatisch schiefer Konstruktion
im Text heißt, so daß es sonderbarerweise der Turm ist, der hier Gas gibt.12
Im nächsten Absatz (S. 72) eine weitere stilistische Plumpheit: „... hinter mir...“,
„...hinter
dem....“, ,,hinter dem wiederum...“ - die doch in solch gröblicher Auffälligkeit
etwas zu bedeuten haben wird. Verfolgt man die weiteren Erwähnungen des
Sprungturmes (,,Der weiße, sinnvoll hagere, Turmriese neigte sich
liebevoll-zehnarmig“ (S. 73), „... der Hekatoncheir von Springturm...“ (S.
74)), wird man die amplifizierende Veränderung nicht übersehen (,,hunderthändig“!),
ehensowenig den sexuellen Nebensinn der Schreibvariante ,,Springturm“ überhören
(springen, bespringen = koitieren), die durch das Wort ,,liebevoll“ noch
unterstrichen wird. Auch hier beachte man die Motiv-Variation von Ölbohrtürme,
Springturm und Bootssteg in Urningsleben (S. 81). Was das dreifache ,,hinter“
zu bedeuten hat, braucht nun wohl nicht mehr umständlich expliziert zu werden.
,,Schwimmbad“
ist bei Schmidt ohnehin erotisches Terrain. Schon in ,,Nobodaddy's Kinder“ heißt
es: „.... . .‚Warenhaus’, das deckt sich bei mir immer irgendwie mit
,Familienbad’; erotische Neonwelle in beiden, künstlich und überbelichtet.“
(NK, S. 10) Die ,,erotische Neonwelle“ ist im Schwimmbad Frimmersen berächtlich
ins Voyeuristische verfärbt. Das ist u. a. dem gestreiften Invertierten zu
verdanken, der mit einem ,,Doppelglas“ hantiert. Schon das Theater hat als Ort
der Schaulust das Thema Voyeurismus kurz angespielt. Im weiteren Text fehlt es
nicht an deutlichen Hinweisen: ,,(Und polizeifromme Gesinnungsheuchler schlichen
überall grauhaarig umher; und machten, sub specie professoritatis,
Farbaufnahmen rnit der Rolleicord.)“ (S. 77 f.) Die Bezeichnung
,,Doppelglas“ weist aber deutlich auf eine zweifache Bedeutung des Gerätes
hin. Es dient zunächst ganz simpel der Befriedigung des Schau-Triebes: „... .
sein Blich mäanderte ja längst wieder übers Gelände; einmal hob er das teure
Doppelglas vors Augenpaar.“ (S. 77) Darüber hinaus fungiert es aber auch als
Phallus-Symbol, wie schon an anderen Stellen in Schmidts Oeuvre, etwa in ZT 798
lu: ,,Teleskop (= auch so ein ,ausziehbares Röhrchen’!)“ -oder in Sit, wo
die unbewußte symbolische Verwendung dieses Gerätes durch Karl May vorgeführt
wird: das „ausgezeichnete Fernrohr (,per Speck tief’)“ (Sit, S. 37).
Ebenfalls in Sit vermißt Schmidt anläßlich der Aufzählung der Freudschen
Symbolgleichungen für Penis und Koitus ,,ein weiteres, noch frappanter
vergleichbares Bildsurrogat, das gleichermaßen ausziehbare - und wieviel
Erogenes wird nicht allein durch dies 1 Wörtlein angetippt! - Fernrohr.“
Ebenso
enge Beziehungen wie zwischen Fernglas und Voyeurismus, Fernglas und männlichem
Genitale, bestehen naturgemäß zwischen Fernglas und Augen. Das Augen-Motiv ist
in Wm beinahe allgegenwärtig. Da wird, zum Beispiel, der Blick des Gestreiften,
bevor er weiterspricht, starrer (S. 77). Das ist ein symbolischer Vorgang
eigener Art. Der beste objektive Beleg zu der von Arno Sctnidt intendierten
Bedeutung findet sich in Karl Abrahams Abhandlung ,,Äußerungsformen des
weiblichen Kastrationskomplexes“: ,,Der ,starre Blick’ wird oftmals vom
Unbewußten der Erektion gleichgesetzt“13
. Da schlurft
der Wirt in Urningsleben zur Holunderlaube (,,sich einen ’runterholen“) und
trägt statt des linken (links ist in der Traumsymbolik die Richtung des
Verbotenen) Auges ein hartgekochtes Ei (S .81). Dieses ,,uralte Hausmittel“
gegen Gerstenkörner soll Heilung bringen nach dem volksmedizinischen Prinzip
der ,,kontagiösen Magie“.14
Das Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu berühren, kann hier aber nur
funktionieren, wenn Auge und Ei gleich-gesetzt werden. Die Identifizierung läuft
über das englische ,,eye“, das zum deutschen ,,Ei" (auch = Hoden) zurückführt.
Zur
Augensymbolik gibt es aus der Frühzeit der Psychoanalyse eine Reihe von
Abhandlungen. Besonders sei auf die kleineren Arbeiten von Eder, Ferenczi,
Freud, Rank und Reitler im ersten Jahrgang der ,,Internationalen Zeitschrift für
Psychoanalyse" 15
hingewiesen. Rudolf Reitler beispielsweise führt aus, „... . daß das Auge
nicht etwa bloß die Sexualität im Allgemeinen oder ausschließlich das männliche
oder nur das weibliche Genitale symbolisieren kann, daß es vielmehr je nach dem
Einzelfalle alle drei Stellvertretungen zu
übernehmen imstande ist.“16
Es kann allerdings noch viel mehr. Wilhelm Stekel weist darauf hin, daß der
Anus ,,das Einauge“ genannt wird17 und führt einen Beleg aus den ,,Anthropophyteia“
für diese Bedeutung an, auch erwähnt er, daß mit dem ,,einäugigen Geschäft“
die Homosexualität gemeint sei. Zur Gleichung Auge = Anus liefert Schmidt in
Sit einen Hinweis: ,,. .. in der römischen Komödie war es ein stehender Witz,
das lateinische oculus wie ,o culus!’ - oh Podex! – auszusprechen“.18
In der Windmühlenerzählung geschieht eigentlich nichts. Läßt man An- und Abfahrt und die bildchenhaft eingeschobenen Klein-Ereignisse im Schwimmbad außer Betracht, so wird alles, was sich an „Handlung“ abspielt, in der Unterhaltung der vier Männer zur Sprache gebracht - ein geradezu genialer Trick, mit dem die Weiträumigkeit entlegenster Ereignisse auf kleinstem Raum konzentriert wird. Dieser Kunstgriff ermöglicht es dem Autor auch, drei unterschiedliche Lokalitäten innigste Beziehungen zueinander zu setzen: Schwimmbad Frimmersen, Schwimmbad Urningsleben und die italienische Landschaft „oberhalb Udine“, die im Bericht des Gestreiften von seiner Reise mit Freunden gen Italien ganz kurz beschrieben wird: „an einem entzückenden kleinen See eine einsame Jagdhütte“ (S. 76). Wasser und Hütte bilden die Parallelen zur Szenerie in Frimmersen; die Einsamkeit gemahnt mehr an Urningsleben, und diese Beziehung wird spätestens dann deutlich, wenn der Gestreifte den Bademeister, der von einem „großen Teich“ spricht, korrigiert: „ein kleiner See“.
Beinahe
aufdringlich ist die Genitalsymbolik im Bericht des Gestreiften, in dem neben
Pilzen, Botanisieren im Unterholz, dem vollen Mond auch der stets dort
vorhandene frische Fisch erwähnt wird, dessen Augen [!] als besondere
Delikatesse gerühmtt werden. Eine Steigerung erfährt diese gehäufte Genitalität
noch in der Beschreibung von Urningsleben, so daß man hier geradezu eine
wohlkonstruierte Genitallandschaft zu sehen bekommt: ,,Also stellt euch ’n großen
Teich vor -, Schilf, Entengrütze, Moorboden; am Ufer Weiden- und
Erlendickichte. Die <Liege-wiese> muß der Bademeister instand halten: uff
Deutsch also <gratis mähen>. Und abends die Frösche!
’n vernünftiger Mensch kommt die ganze Säsong nicht hin.“
Die genitale Bedeutung der Urningslebenschen Szenerie wird ganz deutlich, wenn man parallele Bildungen in Arno Schnidts Büchern betrachtet. Analytisch hat er sich mit Genitallandschaften in Sit befaßt. Hier wird zum Beispiel eine Maysche Zisterne mit fauligem Wasser als das „seit SCHERNER sattsam bekannte Harn-blasen-Äquivalent“ (Sit, S. 74) erklärt; im selben Buch werden an anderer Stelle sämtliche Kronzeugen genannt: „SCHERNER, FREUD, STEKEL, HAVELOCK ELLIS, die überhaupt zur Erkennung der hier vorgenommenen Verdichtungsarbeit empfohlen seien“, denen man „die zuständigen Transformationsgleichungen wie Wald = Schambehaarung usw. (Sit. S. 29) entnehmen möge. Konstruktiv in den eigenen Schöpfungen taucht ein sinnträchtiges Wasserbild schon im „Steinernen Herz“ auf:
„Ein
langer Tcich hatte sich an den Baumrand gelagert und sonnte seinen grünbehaarten
Bauch.'“ (Sit, S. 39) Die Gleichung Teich = Bauch wird in Wm durch eine
weitere Minimal-Verschreibung (,“Taich'“ S. 85) angebahnt: ersetzt man
schrittweise die Buchstaben, so ist man von Taich über- Tauch im Handumdrehen
beim Bauch angelangt.
Wer
die Berechtigung solcher Buchstabenspiele anzweifelt, sei auf die
„Wortstiegen“ in ZT (z. B. 764 lu und 853
ru) verwiesen und auf das mehrfach geübte Variieren ganzer Sätze à la
,,Gras raufen - Gras streicheln“ (ZT 27 rm u. ö.). Letzteres führt sogleich
wieder auf die „Liegewiese“ zurück, die Schambehaarung, auf der man liegt,
die man, wie servicemüd auch immer, ,,instand hält“, „mäht“, kurzum:
bearbeitet. Dieselbe symbolische Abbreviatur in „Kaff“:
„Kurz-geschnittenes Gras. Sonne-Erlen-Wiesen-Einsamkeit“ (Kaff, S. 296),
dieselben Elemente bei der Beschreibung der ,,Bullenkuhle“ in ZT 532 mm und
des Badeteiches in AmG (S. 3 ff. und S. 39ff.). Spenser Island in SdA hat gar
die Gestalt einer liegenden Frau, an deren ,,Waldstück samt seiner ,nassen
Stelle’“ sich auch ein „Wasserloch; Entengrütze fußdick“ (SdA, S. 205
f.) befindet.
Als
weitere genitale Anreicherungen kommen in Urningsleben hinzu die Frösche,19
die Einsamkeit20,
der kleine Bruder des Springturms, der Bootssteg und besonders die dreifach vom
Bademeister genannten Erlen, die einmal wegen ihres lateinischen Namens (Alnus =
Anus), zum andern wegen der ungewöhnlichen Penisform ihrer gestielten Knospen
hierher gehören.
DER
BADEMEISTER
Hier
nun erhebt sich die Frage, was denn all dieses genitale und homoerotische
Symbolisieren mit der Hauptfigur, dem doch nach deutlicher Aussage des Textes
heterosexuellen Bademeister in drei Teufels Namen zu tun habe: er ist doch ein
ausgesprochen männlicher Typ, ein ,,Brocken“ (S. 85), er ist doch verheiratet
(wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten), er deutet doch nebenbei sogar außereheliche
Affairen an, auch eine Jungfrau ist dabei, was den Gestreiften veranlaßt, anzüglich
nach seiner Anstecknadel ,,Macht das Tor auf“ zu tasten21.
Sein Traum allerdings „... so ‚Krieg’, wißt ihr: Menschengekreisle auf
Bahnhöfen; ,Jabos’ fliegen oben Karussell, man feuerte auf mich, daß die
Steine spritzten; ’n Arzt hat mir mal gesagt, der hier baden war, ich hätte
’n ,Labyrinth-Komplex’“. (S. 83) - ist die symbolische Darstellung einer
homosexuellen Attacke: die ,,Jabos“ (= Jagdbomber) sind, wie alle Fluggeräte,
ein geläufiges Penis-Symbol, Bahnhöfe sind Orte des ,,Verkehrs“, das Schießen
als Ejakulation wird durch das Slang-Synonym ,,spritzen“ verdeutlicht, und
,,Steine“ sind etwas Steinhartes, das hier spritzt. Krieg und Kampf sind
ebenfalls bekannte Koitus-Darstellungen im Traum, selbst der ,,Tagesrest“ ist
im Karussell mitgeliefert, das die kreisenden Windmühlenflügel abbildet.
Wer
so träumt, hat eine starke bomosexuelle Triebkomponente verdrängt - ein überaus
häufiges psychisches Phänomen, weit häufiger jedenfalls als die manifeste
Homosexualität und beinahe der Normalzustand in unserem Kulturbereich. Was Arno
Schmidt in diesem Bademeister dargestellt hat, ist die unbewußte Homsexualität.
Betrachtet man des Bademeisers Reden und Verhalten unter diesem Aspekt, dann
stellt sich sogleich alles lückenlos zusammen.22 Eins der deutlichsten Symptome, die auf unbewußte
Homosexualität hinweisen, ist der Don-Juanismus. In einer von Stekels
Krankengeschichten wird die Abwehrkonstruktion, die das Bewußtwerden der
angstbesetzten homoerotischen Regungen verhindern soll, so verbalisiert: „Ein
solcher Don Juan wie ich! Ich widme meine ganne Kraft dem Kultus der Frau. Der
Gedanke an einen Mann ist mir widerlich.“23
Die extensive Beschäftigung mit Frauen soll die intensive Neigung zum eigenen
Geschlecht verdecken Auch die Hochschätzung der Jungfräulichkeit ist durch
unbewußte Hom~ sexualität motiviert. Unberührtheit bietet Sicherheit auch vor
der indirektesten Art von Kontakt mit dem eigenen Geschlecht. Auch das beinahe
vertrauliche Verhältnis, das den Gestreiften mit dem Bademeister verbindet,
weist deutlich auf uneingestandene gleichgerichtete Interessen des letzteren
hin. Die Angst vor Urningsleben, der panikkartige Zustand, in den der
Bademeister dort geraten ist, können sinnvoll nur aus den Abwehrbestrebungen
des Über-Ichs gegen die homoerotischen Regungen erkärt werden.
Was
stört ihn denn so in Urningsleben? Die miese Unterkunft (das Hausinnere als
Leibeshöhle, die schräge Luke als Leibesöffnung); das Ungeziefer, besonders
die Wanzen (Spinnen und Ohrwürmer sind Phallus-Svmbole.) 24 Zu den Wanzen lese man bei Stekel den Traum Nr. 115:
,,Auf meinem Kopfkissen waren eine Wanze und zwei Flöhe. Die Wanze habe ich
totgemacht - da kam soviel Saft aus der Wanze heraus - weißer Saft....“,25
dazu die Erläuterung: ,,Die Wanze führt über eine Klangähnlichkeit zum
Phallus. (Wanze, Schwanze, Schwanz; übrigens wird der Phallus häufig ,,Wonz“
genannt..)“;26
der mijnheerhafte Wirt (,,mein kleincr Herr“); die Holunderlaube (s. o.!); die
den Weg rahmenden Bierflaschen (länglich und hohl), deren Etiketten (Testikeln)
noch dran sein müssen; die Schachspieler (Onanie: der [kalte] Bauer, der
mattgemachte ,König’27);
ihr ,,au roix“ (zugleich ,,Orrroa“ - ein Lustgestöhn); und dann der Hammer:
DIE WINDMÜHLEN, sechs Stück (Sex-Stücke) auf ihrem mannshohen Pfahl (ein
Phall, und mannshoch dazu), anderthalb Meter hoch aufgereckt, in Penisgestalt
mit roter Haube (Glans) und kreisenden Flügeln (also in Bewegung-Erregung), die
als ,,langsam-grauliche Scheibe“ wahrgenommen werden 28. Verständlich, daß ein Mensch, der schon Mühe
genug hat, mit seinen innersten, ihm selbst unbekannten Strebungen fertig zu
werden, in hilflose Verwirrung gerät, wenn er nun auch noch von außen von
Symbol-Dingen und -Vorgängen umstellt wird, die das Verdrängte permanent
mobilisieren. Der kluge Arzt, der bei dem Bademeister einen
„Labyrinth-Komplex“ diagnostiziert, muß ,,Zettels Traum“ gelesen haben.
Dort wird (S. 79 ff.) das in mehreren Erzählungen Poes wiederkehrende Motiv des
Verirrens mit begleitenden Gefühlen des Taumels und der Benommenheit behandelt:
,,Als nächstes beginnt sich der Weg des Wanderers zu verschlingen, und ein
,Labyrinth-Gefühl’ überkommt ihn.“ (ZT 78 lo) – „Das Gefühl des ,In
der Irre gehens’ stellt sich ein; des ,Sich verirrt habens’: der Held
empfindet’s ubw, daß es sich um ,eine Verirrung’ handelt; (wie billig
begleitet von Gefühlen der Verworrenheit, ja Sündigkeit)“ (ZT 92 lu). -
,,Dann würd' ich aber gleich noch weiter gehen
(P, kritisch): ,,und die ,vortices’ die Wirbelbewegungen, mit
hinzunehmen, wenn's anfängt zu ,drehen’...“ (ZT 92 lu). Hier erinnere man
sich des Bademeister-Berichtes: ,,Und mir wird immer wirbliger im Gemüt, ganz
komisch, so ist mir doch noch nie gewesen!“ - sowie der gleichförmigen Reaktion der zunächst
ganz munteren Paddler: .Aber so gegen 16 Uhr 30 merke ich, wie sie stiller
werden. Die Stimmen tapriger; die Mienen hängen ihnen seltsam schlaff; die
Finger fangen auf der Tischplatte zu zupfen an; die Augen irren, und in ihnen
spiegelt sich's. Erst wird der Blick des Einen starr [!]; dann der des Anderen
– “ (S. 84).
Wort
und Begriff des ,,Labyrinth-Komplexes“ sind
eine Schmidtsche Schöpfung, in den zuständigen psychologischen Hand- und Wörterbüchern
und bibliographischen lndices sucht man vergeblich. Als neurotischer Dämmerzustand
ist der Sachverhalt jedoch mehrfach beschrieben worden, zum Beispiel von Freud,
Löwenfeld und Karl Abraham. In Abrahams Abhandlung „Über hysterische
Traumzustände“ 29 werden mehrere Fälle von Tagträumereien untersucht, die als
Ersatzbildungen für die aufgegebene Masturbation verstanden werden müssen.
,,Das [...] eigentümliche Schwinden der Gedanken, die Bewußtseinsleere
entspricht dem mehr oder weniger erheblichen Bewußtseinsentgang (Freud), wie er
sich besonders ausgesprochen beim Neurotiker auf der Höhe jeder sexualen
Erregung einstellt. Gleichzeitig setzt ein heftiges Schwindelgefiihl oder eine
andere dem Schwindel ähnliche, aber schwer zu beschreibende Sensation ein.“ 30
In ebendiesen Zustand sind Bademeister und Paddler geraten, nachdem ihr Unbewußtes
derart massiv mit symbolischen Stirnulantien beschickt worden ist
Arno
Schmidt hat den Bademeister durch weitere Attribute verschwult: ,,Der lehnte
schon, in einer Rauchwolke, über sein Geländer her: blockschokoladefarbene
Schultern, ein Bauch aus altem Kupferblech, Füße wie die selige Königin Luise
- sie war berühmt für deren Größe. (Etwas kleiner als ich? Vielleicht um die
Dicke einer Straßenbahnfahrkarte.) Die rechte Augenbraue martialisch
gezwirbelt; ein hochgerutschter Kaiser-Wilhelm-Bart - war der Mann etwa
Hohenzollern-Fan? Aber sein Haar hing unfürstlich-einfältig, und der Mund
maulte & murmelte angenehm plebejisch. ,,Freut mich -,“; (hieß er Fritz
Bartels? Der Nachname war schwer zu verstehen gewesen)“ (S. 73).
Hier
sehnt man sich seufzend nach der längst fälligen und noch immer nicht
vorliegenden Spezialuntersuchung eines Schmidt-Philologen, etwa des Titels ,,Die
zweifelnde Frage im Werk Arno Schmidts", in der alle vergleichbaren Stellen
aufgelistet wären. Der Autor verwendet dieses Stilmittel nämlich mehrfach in
KiH 31
und zwar exakt gemäß Freuds Regel: ,,Wenn zu einem undeutlichen Element des
Trauminhalts noch der Zweifel hinzutritt, so können wir, dem Fingerzeig
folgend, in diesem einen direkten Abkömmling der verfemten Traumgedanken
erkennen.“32
Unsicherheit kombiniert mit Zweifel weisen bei Arno Schmidt deutlich auf
klaffende Einstiegslöcher in den Untergrund.
Zwei
Beispiele nur aus der ,,äußeren Umrahmung“, dem Bericht von der Anfahrt zum
Schwimrnbad: „. . . .Du wirst noch Knopplöcher machen - (Sollte es möglich
sein, daß ausgerechnet mein considerabler Blick ihm Anlaß zu dem vulgären
Vergleich geworden war?) (S. 71) Die
,Knopplöcher’, auf die hier durch zweifelndes Fragen besonders aufmerksam
gemacht wird, eröffnen den Einstieg ins Voyeurthema, denn ,,(,Knopploch’! =
,Auge’!! -)- (ZT 520 mm), ferner: ,,(Und da für Einen, des Englischen
Cundijn, button-hole verdammt dicht nebm ‚Bottom-hole’ gelagert sein dürfte,
...)“ (ZT 90 mo). Auch die psychoanalytische Literatur liefert Erläuterungen:
,,Auch die Knöpfe haben einerseits anale Bedeutung und beziehen sich auf Hämorrhoidalknoten,
andererseits auf die Glans penis, den roten Knopf . . . “33
,,Und
noch die Beiden vorbeilassen - tcha, durfte Einem, bei solcher ,Lage dee
Dinge’, überhaupt ,Dörflerinnen’ eirfallen?~ (S. 71)
Hier wird auf
den homosexuellen Untergrund verwiesen, denn wo die Dinge so eindeutig liegen
wie in Frimmersen, darf man an Frauen, seien es auch die accessibelsten Dörflerinnen,
nicht einrnal denken.
Lassen
wir auch in der Beschreibung des Bademeisters ,,dem Fingerzeig folgend“ den
Elisar-von-Kupffer-blechernen Bauch 34, den Fahschein für die ,,Elektrische“35
und die weiteren, gewiß auflösbaren, mir aber noch unverständlichen Details
beiseite und konzentrieren wir die Aufmerksamkeit auf Fritz Barthel, Verfasser
von ,,Letzte Abenteuer urn Karl May“ 36,
so trifft auf diesen zu, daß er ein Hohenzollernfan war, auch ein
Karl-May-Fanatiker eigenster Art. Und wie Karl-May-Verehrung und Homosexualität
für Schmidt zusammengehören, das entnehme man Sit passim, oder auch jener
Stelle in ZT: ,,,n Päderast?' Só öffentlich? –“, (Denn der Alte; im
Kreise der kleinen Jungen. Er docirte mit erhobenem Zeigefinger: - Obwohl sein
Gesicht eher was Donkey-Schote'sches hatte?) / (Und so issis auch): ,,Der
MAY-Fanaticker des Ortes: läßt sich die Titel, der Reihe nach, aufsagen; alle
70 Bände...“ (ZT 1033 mm).
Hier
wäre der Punkt, ein kräftiges Wort gegen jene Kritiker zu sagen, die Arno
Schmidts angebliche Realitätsflucht, die Zurücknahme der früheren
jakobinischen Gesinnung beklagen und seine Wandlung vom Zeitkritiker zum
Gedanken- und Formspieler bemäkeln. Mit der zunehmenden Verdichtung der
Wortgewebe sind die zeitkritischen Statements mehr und mehr in den Untergrund
der Anspielungen und kryptischen Verweise geraten, hier allerdings sind sie in
unverminderter Schärfe vorhanden. Man muß nur Ohren haben zu hören und
vielleicht die ,,Letzten Abenteuer“ mit grimmigem Grinsen gelesen haben, um im
vorliegenden Zusamrnenhang in der bloßen Nennung des Namens ,,Fritz Barthel“
die genaueste analytische Zeitkritik wahrzunehmen. Der harmlos-biedere
Normalmensch, der von tief drunten gepeinigte Bademeister, wird durch das
Namensattribut durchsichtig gemacht und zur Symbolfigur, die weit über sich
selbst und den unmittelbaren Textzusammenhang hinausweist auf einen der
bezeichnendsten Züge unseres von Männerbünden geprägten Nationalcharakters.
Hier wird, fern aller modischen Aktualität, etwas von der ,,Gültigkeit im
Zeitgenössischen“ sichtbar, die Hans Wollschläger festgestellt hat.
DER
GESTREIFTE
Der
preziös-distinguierte Gestreifte macht eine ganz andere Figur. Gekennzeichnet
ist er schon hinreichend durch seine äußere Erscheinung, eine mit
narzistischer Liebe gepflegte Körperlichkeit -: er schlägt ,,ein rankes Bein
über das andere“ (S. 75), ,,wespenschlank“ ist er (S. 84), seine Bewegungen
sind edel-gemessen, ,,graziös-abwehrend“ (S. 77) und seine lapidaren
Anmerkungen kommen liebenswürdig und leise, auch ,,genüßlich-versunken“ (S.
84). Sie weisen ihn als subtilen Kenner alles Einschlägigen aus. Zum
,,Labyrinth-Komplex“ bemerkt er nur: ,,Wer hätte den nicht?“ (S. 83) - und
offenbart damit sein überlegenes Wissen von der Ubiquität der Verdrängungen
und der Symptomatik ihrer Äußerungen. Schon seine erste Bemerkung, die
Erwiderung auf des Erzählers „bahnbrechendes“ Wort, daß ,,im Innern der
Gestirne [...] Temperaturen von Millionen Graden <herrschen>“ (S. 74)
sollen, hat Witzcharakter, weil (genau nach Freuds Definition) durch eine
Anspielung momentweise die Verdrängung aufgehoben wird, was den Lacheffekt zur
Folge hat. Denn ,,unangenehm“ wird es nur, wenn man ganz oder mit einem
kleinen Teil in solcher Hitze steckt. Das kann sich unglaublicherweise dann
ereignen, wenn die ,,Gestirne“ zugleich als jene hitzigen Körperpartien
verstanden werden, die in rundlicher Mondgestalt die italienische nicht minder
denn die urningslebensche Nachtlandschaft beglänzen.
Nicht
nur die rhetorischen, auch die echten Fragen des Gestreiften zielen auf die
symbolische Bedeutungsschicht: ,,Warum bist du bloß so gegen Urningsleben,
Fritz?“ (S. 79); ,,Kann Einsamkeit denn nicht auch schön sein?“ (S. 80);
nur wer das Wanzenkauen als Darstellung einer Fellatio versteht, kann sich mit
derart ,,ungekünsteltem Interesse“ (S. 80) nach dem Geschmack dieser Tiere
erkundigen. ,,Kann man denn anders sein als abstrakt?“ fragt der Gestreifte
,,höflich-erstaunt“ (S. 83), als der Bademeister die Tischplatte beschreibt,
auf die er, schutzsuchend vor dem bedrohlichen Gewirble der Windmühlenflügel,
seinen Blick heftet. ,,Die war wenigstens rechteckig und fest - allerdings auch
hier die Farbe meist runter und das Ganze doch verdammt - ä - abstrakt, ja?“
(S. 83) 37
Abstrahieren heißt „auf das Wesentliche hin vereinfachen“. Vereinfacht man den Anblick der Tischplatte aufs Wesentliche, aufs Flache, Breite, so wird man nicht ermangeln, der in Sit hergestellten Verbindung von Sitara-Scheiben (= Hintern) zu den „bereits in [....] DYA NA SORE angeschmitzten „Tischplatten“ des NACHSOMMER“ zu gedenken. „Und die Naivität, mit der man sich gegenseitig die Popo-Ersätze weist & begeistert beschreibt, ist nicht minder rührend als bei Freund MAY“ (Sit, S.356).
„Abstrahieren“ heißt aber auch, wörtlich genommen, „abziehen“, und mit ein wenig variierender Assoziationslust gegenüber dem antiken Latein könnte man auch an „ausziehen“ denken. Weiterhin fällt dem gebildeten Europäer zu ,,abstrakt“ sofort automatisch der dazugehörige Gegenbegriff „konkret“ ein. Und als konkretes Gegenstück zu einer abstrakten fleckigen Tischplatte wirkt das Bild eines großflächigen, porig-marmorierten Hinterns doch recht „organisch“. Die abgeblätterte Farbe ist mehrfach determiniert. Sie ist der niemals glatt-einfarbigen, sondern stets durchblutet-gesprenkelten Hautoberläche nachgebildet. Zugleich scheint bei abblätternder Farbe (- auch Stifter wird in Sit 339 ein „Übertünchter" genannt -) das Zugrundeliegende durch. Tisch und Stuhl, noch dazu wenn es sich um „klappbare“ handelt, können symbolisch verstanden werden, wie bei Freud und Stekel nachzulesen ist.38
Der
Bademeister mag seinen Blick heften, worauf er will, er wird, bei seinr un-bewußten
Prägung, immer das nämliche erblicken. „Es gibt keinen Gegenstand, der nicht
unter Umständen ein sexuelles Symbol darstellen kann“ 39. Zumal das „Abstrakte“ fordert mit zarter
Notwendigkeit zur Konkretisierung heraus. Und wenn man von heiklen „Dingen“
spricht, ist „abstraktes“ Reden noch immer die gebotene Form.
Die
Beiträge, die der Gestreifte zur ohnehin kaurn vorhandenen Handlung leistet,
sind geringfügig, aber nicht ohne Bedeutung, so wenn er ,,1 eleganten Rauchring
aus seinem Inneren“ (S. 73) entläßt und den Erzähler „prüfend durch
denselhen“ ansieht. Hinter solchen gestelzten Wendungen 40
verbirgt sich auch bei Schmidt, der sie im Gegensatz
zu Stifter und May bewußt verwendet, ,,ein Bedeutungsvolles“. Hier nämlich,
wie gemeinhin in der Traumsymbolik, bedeutet der Ring eine runde Leibesöffnungung,
hier, wo ein Homosexueller sich des Symbols bedient, ist natürlich der Anus
gemeint.
Überhaupt
sind diese minimalen Interaktionen hochinteressant. Denn auch der Erzähler und
sein Freund Richard werden in den homoerotisch~symbolischen Dunstkreis mit
einbezogen, obwohl sie nach außen hin voreinander die weithin übliche, amüsiert-duldende
Haltung der Homosexualitiit gegenüber einnehmen. Mit ihrer stummen Verständigung
beim Anblick der brokatenen Badehose des Gestreiften und bei der Schilderung der
italienischen Lokalität (S. 76: „hier kniff Richard, ohne ansonsten sein
Gesicht zu verändern, das auf meiner Seite befindliche Auge zu; und ich machte,
gleich unauffällig, pollice verso, einen Mundwinkel“) versichern sich die
beiden ihrer unangefochtenen Normalität. Ihre übertriebene Gestik (S. 75:
„drehte die Augen so hoch; und
telegraphierte mit dem ganzen Gesicht“) wirkt jedoch zugleich wie eine Abwehr-
und Schutzmaßnahme gegen das „Verbotene“, das
auch in ihnen mächtig an die Oberfläche zu dringen beginnt.
Trotz
seines distanzierten Grimassierens spielt der Erzähler nämlich mit, wenn er
beim Jungfrauen-Motiv unwillkürlich, also unter dem Zwang einer unbewußten
Regung, auf das ,,mannshohe Thermometer“ neben sich schaut (S. 80). Dieses
Symbol-Gerät, ein langes dünnes Rohr, in dem bei Erhit:zang aus einem runden,
manchmal auch eiförmigen Behältnis Flüssigkeit emporsteigt, signalisiert mit
„31º im
Schatten“ das Stichwort „Onanie“. Letzteres heißt nämlich übersetzt:
„Einen reiß' ich mir grad runter“ 41 Auch das gefällig dargebotene Doppelglas nimmt der
Erzähler mit Freuden entgegen und benutzt es mit voyeuristischem Sachverstand.
Die Rückerstattung entbehrt wiederum nicht eines symbolischen Schnörkels:
„.... ließ es auch eine Weile lüften, ehe er es, mit einer gewissen Überwindung,
die ihm sehr gut stand, wieder benützte“ (S. 79). Wie stark die beiden
Reisenden 42
am Ende infiziert sind, lese man am Schluß der Erzählung nach, wo das
Motor-Vibrieren vom Erzähler ,,fast genau unterm Popo“ (S. 86)
verspürt wird.
Wie
erklärt sich nun die von Arno Schmidt durchgehend im Text verwendete
Bezeichnung ,,der Gestreifte“? Zunächst leitet sie sich ganz einfach vom
gestreiften Bademantel her, den ,,der Betreffende“ trägt. Die zu
„gestreift“ leicht assoziierbare Variante ,,gesteift“ dürfte für die
Wortwahl nicht ohne Bedeutung gewesen sein. Eine weitere determinierende
Assoziation lä:uft über „Gefä:ngniskleidung“, wie an der Stelle
nachzulesen ist, wo das Streifen-Motiv ein zweitesmal in Wm auftaucht:
„Wir
behielten unsere gestreiften Pyjamas gleich an, und tollten durch den Wald“
(S. 77). Ein pflügender Bauer meint entsprungene Zuchthäusler zu sehen.
Reichte diese assoziative Verknüpfung von ,,gestreift“ mit der homosexuellen
Männerschar allein schon zur Herstellung einer Bedeutungsgleichung von
gestreift-homosesuell, so kommt verstärkend noch die Gefängnis-Assoziation
hinzu. Gefängnis und Zuchthaus sind häufig Lehranstalten für Homosexuelle,
was sich in volkssprachlichen Wendungen wie ,,Lattenparadies“ und
„Schwulkasten“43
ausdrückt.
Hier
kann mit Recht eingewendet werden, daß Gefängniskleidung doch immer
quergestreift ist, die Streifen des hier interessierenden Bademantels aber
verlaufen vertikaI. Ein solcher Einwand kann gar nicht ernst genug genommen
werden. Gibt er doch Gelegenheit, ein weiteres Mal auf die entscheidende
Bedeutung des Minimalen hinzuweisen. Für die Deutung ergiebig sind nämlich
nicht die vordergründig sich immer wieder aufdrängenden Details, sondern die
eher unscheinbaren KIeinigkeiten. Die schon mehrfach angeführten Freudschen
Regeln sind hier um eine weitere, den Traumvorgang der ,,Verschiebung“
betreffende zu ergänzen: ,,Es findet zwischen [latentem] Traummaterial und
[manifestem] Traum tatsächlich eine ,,Umwertung aller Werte“ statt. Gerade in
einem flüchtig hingehauchten, durch kräftigere Bilder verdeckten Element des
Traums kann man oft einzig und allein einen direkten Abkömmling dessen
entdecken, was in den Traumgedanken übermäßig dominierte.“ 44
Einige solcher ,,flüchtig hingehauchten“ Details sind schon behandelt worden,
die minimalen Verschreibungen (Springturm, Taich), der an versteckter Stelle
nachgelieferte Bootssteg. Erinnert sei auch an den stets so genannten
,,Bademeister", eine Figur, die nur aus dem ganz zweifelhafen
Namensattribut und anderen Nebensächlichkeiten erklärbar wird.
Zu
der scheinbar ganz nebensächlichen Bestimmung, daß die Streifen des
Bademantels vertikal verlaufen, gibt es eine lesenswerte Erklärung im Band 4
der ,,Internationalen Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse“. Lesenswert
deshalb, weil die „Kleinen Mitteilungen aus der psychoanalytischen Praxis“
von J. Sadger 45
drei aufeinanderfolgende Motive enthalten, die in veränderter Abfolge
(erweitert und vermehrt durch andere) auch in Wm eng beieinander zu finden sind.
In
einem Beitrag ,,Zur Rauchlust“ behandelt Sadger die Penis- und Onanie-Symbolik
beim Rauchen. Die beiden Protagonisten in Wm, Bademeister und Gestreifter,
rauchen. Es folgt bei Sadger eine kurze Notiz „Zur Symbolik des Drachens oder
Lindwurms“, in der das in einem Traum auftauchende Untier als Darstellung der
Mutter (- in diesem Sinne auch in ZT verewendet: vgl. die von Stündel angeführten
Stellen -) und als Darstellung des väterlichen Penis gedeutet wird. Als
megalomanische Penis-Darstellung ist auch der Drache auf der kohlschwarzen Rückseite
des gestreiften Bademantels zu verstehen (,,den Rachen in Popohöhe, die
Schwanzspitze bis auf die Fersen" S. 73). Der dritte Beitrag Sadgers ist
mit ,,Symbolik im Geschäftsleben“ überschrieben und enthält die Mitteilung
eines Textilhändlers: ,,Der größte Teil meiner weiblichen Kunden nimmt von
Vorhängen nur Muster mit länglichen Streifen, die durch das ganze Stück
durchgehen. Man kann in sie hineinreden, was man will, sie nehmen nur diese
gestreiften Muster. Dann gibt es eine Minderzahl, welche wieder nur Quadrate und
,Kranzerl’ (Kreise) wählen, als ein Symbol der Vagina, wie die anderen die länglichen
Streifen als ein Symbol des Penis.“46
Neben der bedeutsamen Kleinigkeit, daß die Streifen ,,längs“, d.h. vertikal
verlaufen, sollten auch Schwarz und Gelb in ihrer mehrfachen Symbolik verstanden
werden. Nach Borneman ist ,,der (oder das) Schwarze“ der Anus 47. Gleichzeitig ist ,,der Schwarze“ Inbegriff der
verbotenen und ersehnten Sexualbefriedigung. 48
Nach Stekel bedeutet Schwarz „.... . Tod und Teufel, Verführung, das Böse.....
“ 49.
Gelb wird nach Borneman für Urin verwendet 50,
nach Stekel steht die Farbe für das Gold, das Geld, den Stuhl, den Urin. 51
Da Gelb und Gold für die Farbauffassung identisch sind, kommt auch die
Gleichung Gold-Geld-Kot reichlich ins Spiel. Nach Borneman wird der Homosexuelle
auch ,,Vergolder“ genannt. 52
Etwas fernliegend mag die bei Hans Ostwald nachgewiesene Bezeichnung
,,Schwarzgelber“ = Denunziant (über die österreichischen Nationalfarben)
erscheinen 53.
In gewissem Sinne betätigt sich der Gestreifte aber auch als Denunziant: er
verrät mit seinen Bemerkungen fortwährend den wahren Sachverhalt, von dem die
übrigen Beteiligten nur unter der undurchschauten Camouflage der Symbolik
„abstrakt“ reden können.
BEGEBNISSE
IN URNINGSLEBEN
Nach
diesen skizzenhaft gelieferten Umrissen für ein tieferes Verständnis der
Lokalitäten und der auftretenden Personen bleibt nun zu betrachten, was dort in
Urningsleben geschieht. Vorausgeschickt sei die Bemerkung, daß nicht
beabsichtigt ist, eine dem Oberflächen-Kontext entsprechende, in sich
logisch-konsequente Handlungsabfolge auch im Untergrund aufzudecken. Dergleichen
verbietet sich von vornherein, wenn man den einer Erzählerperson in den Mund
gelegten, bei aller referierten Wechselrede doch grundsät:zlich monologischen
Text als Reproduktion der Gesamtheit eines psychischen Apparates auffaßt. Liest
man den Text in dieser Weise, so müssen alle von Freud beschriebenen und
benannten psychischen Instanzen, das Unbewußte, das Ich und das Über-Ich
nachweisbar sein. Vensucht man die überall gleichzeitig wirksamen drei
Instanzen in Wm einzeln zu verfolgen, so wird man eine Zentrierung auf bestimmte
Figuren feststellen können. Ganz deutlich dorniniert der Anteil des Unbewußten
beim Bademeister. Der Erzähler und sein Freund Richard vertreten momentweise
die Normen der Gesellschaft, das Über-Ich. Übrig bleibt das Ich, dessen
Stellvertreung aber nicht bedenkenlos dem Gestreiften aufgebürdet werden kann.
Er ist viel zu eindeutig wissend, während das Ich als sekundäre vermittelnde
Bildung zwischen Unbewußtem, Über-Ich und Realität gerade die Instanz der
Kompromißbildungen, des Ausgleichs zwischen Triebansprüchen und
gesellschaftlichen Einschränkungen ist. In den witzigen und anspielungsreichen
Bemerkungen des Gestreiften erscheint etwas von der in ZT postulierten
„Vierten Instanz“, die als beobachtender Teilhaber das Gerangel der drei übrigen
Instanzen mokant-jokos kommentiert. Eher schon könnte das vermittelnde und
alles zu sinnvollem Zusammenhang organisierende, praktisch in jedem Wort und
Zeichen des Textes anwesende Autor-Ich als Vertretung der Ich-Instanz angesehen
werden.
Geht
man also von der Annahme aus, daß das Freudsche Seelenmodell der Organisation
des Textes zugrunde liegt, wird man eine in ihrer Abfolge nachvollziehbare
„Untergrund~Handlung“ nicht mehr erwarten. Wer sich je mit der Analyse
eigener und fremder Träume befaßt hat, wird wissen, daß es unter der
Traumoberfläche keinen homogenen Untergrund, sondern nur ein Gewirr von
Vorstellungssträngen gibt, die sich zu Bündeln und Knoten verdichten können.
„Die entscheidenden Regeln der Logik haben im Unbewußten keine Geltung, man
kann sagen, es ist das Reich der Unlogik.“ 54
Von dieser Beschaffenheit muß dann auch der „Untergrund“ der Windmühlen-Erzählung
sein, die Vorstellungsstränge der Homosexualität, der Genitalregionen, der
Onanie, des Voyeurismus usw. laufen ohne Ordnung durcheinander. An den
Verdichtungsstellen dringen diese Vorstellungen an die Oberfläche, nicht in ihrer kruden Originalgestalt, sondern
verharmlost, entschärft und dem Ich-Bewußtsein akzeptabel gemacht durch die
Entstellungen, die die Zensur an ihnen vorgenommen hat.
Betrachtet
man nun, dieses vorausgesdickt, was sich an „action“ in Urningsleben
ereignet, so fallen als erstes die Paddler ins Auge sowie eine mit ihnen
zusammenhängende Unstimmigkeit. Nach der Beschreibung des Bademeisters (ein großer
Teich, (kleiner See), Schilf, Entengrütze, Moorboden, S. 80) muß es sich um
ein stehendes Gewässer handeln. Das Paddeln ist aber nur interessant, wenn man
längere Strecken überwinden kann. Kein Zuflu?, Abfluß oder eine sonstige
Wasserverbindung wird im Text erwähnt. Urplötzlich stehen die Paddler auf der
Szene: „Nachmittags, gegen 15
Uhr, [...]
ein Paddelboot, mit zwei jungen Leuten.“ (S. 84) Es kann sich auch nicht um
Anwohner des Teiches handeln, die nur so ein bißchen herumfahren. Sie übernachten
ja offenbar in der „Waldschänke“. Sie erscheinen so sinnlos, wie das
Morgensternsche Wiesel. Das immerhin saß noch ,,durch den Reim gesichert“ auf
seinem Kiesel im Bachgeriesel. Die Paddler hingegen erchieinen von Etyms wegen.
Für diese Annahme sei zuerst Sdtrnidt selbst als Zeuge benannt: „bilde Dir
den Begriff der ,Ent-Dummpfunk'. wo, meinswegn, aus ,puddle’ = Ǿ
(:PARTllIDGE), daß RODMAN'schnde ,paddle’ wird .... “. (ZT 533 mo.) Dazu
aus ebenselbem Partridge: „to paddle = to caress“. Und
ist man einmal auf der Spur, changierend zwischen Deutsch und Englisch, kommen
sogleich alle „pud“-Abkömmlinge1 wie
die „pudenda“ sowie ,,pet“ als „liebkosen“ und
,,ped“-Zusammensetzungen wie „pederast“, ,,pedicator“ usw. ergänzend
hinzu. Das hintereinander-Beschäftigtsein im Boot ergibt weitere Anknüpfungen
zur Homosexualität - daß es sich um zwei Minner handelt, wird erst später
durch die ,,Badehosen“ (S. 85) deutlich. Eine etwas „leichtgebauete“ Brücke führt auch zu
den Windmühlenflügeln, wenn man sich der ,,abenteuerlichen Moulinets“
erinnert, die Pocahontas ,,mit dem Bihänder“ übers Boot schlägt (R & P,
S. 24 f.).
Die
Zeitangabe „gegen
15 Uhr“
erhält durch den Kommentar „... . endlich mal einer, der nicht ‚3’
.sagte...“ (S. 84) eine besondere Betonung. Es ist nämlich richt aufgeweckte
Modernität, sondern das Unbewußte, was den Bademeister so reden macht.
„15
= fünf-zehn, fünf Zehen = fünf
Finger und bedeutet Onanie“ gibt Wilhelm Stekel an.55 Dazu an anderer Stelle: ,,Man beachte die
Scherzfrage ,Was ist Feigheit!? Die Onanie. Denn da gehen Funfe über
einen.’“ 56
Die bald darauf folgende Zeitangabe ,,16 Uhr 30 ist nach den voraufgegangenen
Erläuterungen nun leicht mit „Sex-Szenen“ und ,,reiß' ich“ zu übersetzen.
Wahrschejnlich sind alle in Wm vorkommenden Zahlen übersetzbar, wie zum
Beispiel auch die Datierung des ,Meisterbriefs4.
in der Fleischerei (S. 72), wo der Tag angegeben wird, an dem der
„Ulysses“ von James Joyce spielt, allerdings mit einer Ungenauigkeit der
Jahreszahl: 1900 statt 1904. 57
Auch diese Ungenauigkeit wird ihre Bedeutung haben, zumal die Zahl 1900 noch
einmal im Text auftaucht (S. 81).
,,Wir
brechen, kurz vor Mitternacht, die Windmühlen ab, und werfen sie in den
Teich!“ (S. 84 f.) Diese Aussage ist, da obendrein noch zwei reden, und
„beide wurden im selben Moment fertig“, die syml:olische Darstellung eines
Sexualaktes. Das Abbrechen der Penis-förmigen Windmühlen ist schon für sich
allein so zu verstehen. Das Hineinwerfen in den Teich verdoppelt diese Handlung
noch und stellt die Verbindung zum Schwimmen und Baden ganz allgemein her.
Zugrunde liegen die Vorstellungen ,,rein und raus“ 58 und die Symbolgleichung Baden = geschlechtlich
verkehren".
59
Das intensiv-doppelte Durchzählen von eins bis „sex“ kommt
mit gleicher Bedeutung noch hinzu; und damit es im Sexualgetümmel dieser
Passage an gar nichts mehr mangele, werden die Windmühlen auch noch wieder
„auf ihre Pfähle genagelt“.(S. 85): Pfahl
= Phall und nageln = coire, wie wiederum der unschätzbare Borneman weiß. Kein
logisch-konsequenter Ablauf also im Untergrund, sondern ein gedrängtes cluster
von Vorstellungen, die im Oberflächentext zu einer einigermaßen sinnvollen
Abfolge von Handlungen umgestaltet werden.
VERSUCHSREIHE
IRAUM
Arno
Schmidt hat seine „Berechnungen III“,
in denen von der
„Versuchsreihe IV (Traum)“ gehandelt wird, nicht veröffentlicht. Man mag
das bedauern, wird die schnöde Geste aber gerechtfertigt finden, wenn man sich
die lnkompetenz der durchschnittlichen Literaturleser wie auch der Spezialisten
vergegenwärtigt, die es während eines Zeitraumes von sechzehn Jahren (geht man
vom Zeitpunkt der Erstveröffentlichung aus, sind es teilweise fast schon
zwanzig Jahre) nicht vermocht haben, auch nur eine den Texten angemessene
Lesehaltung zu entwickeln. Die Distanz zwischen dem Autor und seinem Publuuum
ist offenbar nur noch in astronomischen Größenordnungen zu messen.
Die vorliegende Arbeit kann darum auch nicht mehr als eine erste Annäherung sein, eine Materialsammlung, die zur weiteren Erschließungsarbeit auffordert. Außer einer Vielzahl von Details müssen auch die wichtigsten in diesem Zusammenhang sich stellenden Fragen vorerst ungeklärt bleiben. So sind, was zurn Beispiel das Gesamtgefüge der Versuchsreihe ,,Traum“ und die Stellung der Windmühlen-Erzählung darin angeht, wie schon so oft in dieser Arbeit nur Vermutungen möglich. Immerhin wird man vorläufig annehmen dürfen, daß CüS und Wm Stücke aus dieser Versuchsreihe sind. Cüs kan als das ,,mythologische“ Stück, Wm als das „symbolische“ angesehen werden. Zu erwarten ist, daß die Reihe auch ein ,,etymisches“ Stück enthalten werde; auch ein ,,archetypisches" Stück wäre denkbar, trotz der verschiedentlichen Polemik, die Schmidt dem ,,Görres-Typ" C. G. Jung angedeihen läßt. Denkbar auch, daß die genannten Verschlüsselungs-Formen in reduzierter Deutlichkeitsstufe noch einmal in der Reihe enthalten sein werden. Der Hinweis, daß die Trommler-Erzählung und Wm wahrscheinlich zwei Gestaltungen ein und desselben Materialkomplexes sind, läßt weitere Mehrfach-Formungen innerhalb der Reihe vermuten. Es ist ja kein Zufall, daß der Zugang zur „Versuchsreihe Traum“ über CüS und Wm sich eröffnet hat. Beide Stücke repräsentieren eine sehr hohe Deutlichkeitsstufe: den „unteren Hallraum“ nimmt man als durchdringendes Dröhnen wahr, wenn man das Ohr erst einmal darauf eingestellt hat.
Keine
unüberwindlichen Schwierigkeiten werden dem verständniswilligen Eindringen die
Erzählungen ,,Kundisches Geschirr“ und „Groiler Kain“ bereiten; erstere
kann über die immer wieder deutlich benannte Analerotik (die vielleicht nur den
„comes“, das Nebenthema abgibt) angegangen werden, in letzterer kann man
schon bei oberflächlicher Lektüre das Rivalitäts- und Kastrations-Motiv
durchklingen hören. Auch die Titelerzählung „Kühe in Halbtrauer“ kann
nicht schwer zu verstehen sein. Man beachte nur den deutlichen Hinweis auf
„sessantanove“ am Anfang des 5. Abschnittes Als Indiz für gelungenes Verständnis
kann man es werten, wenn durch die Deutungsarbeit Licht auf die kleinsten Nebensächlichkeiten
fällt, wenn die durch Kapitalis-Druck hervorgehobenen Zentral-Motive erklärt
werden können, und wenn der Erzählungskern enschlossen wird.
Diese
Kernstücke bilden eine durchgehende Eigentümlichkeit der KiH-Erzählungen, sie
sind vergleichbar der Schlotterschen Bild-im-Bild-Technik. In der Titel-Erzählung
ist es die Weltkriegs-Anekdote vom „denkenden Rechner“; in der „Wasserstraße“
der „Sträußlein“-Gesang und der „Mord"-Anschlag; in den ,,Windmühlen“
der Bademeistertraum; in ,,Großer Kai“' der Würge-Traum; in ,,Schwänze“
der ,,Rio Juarez“; in „Der Sonn' entgegen“ die Laternenanzünder-Anekdote;
in ,,Kundisches Geschirr“ Karls Traum (- der mit seiner Deutung durch die
Psychoanalytikerin ja noch lange nicht im Hiinblick auf seine Funktion innerhalb
der Erzählung „gedeutet“ ist); in ,,Die Abenteuer der Sylvesternacht“ die
Weckträume mit ihrer Genital-Symbolik; in CüS - ? -; in „Piporakemes!“ der
Bericht von der nächtlichen Autofahrt.
Ist
ein verläßlicher, durch objektive Belege abgesicherter Einstieg bei e i n e m
Detail oder Motiv erst gelungen, ergibt sich die Einsicht in das übrige beinahe
von selbst. Nimmt man nur die anfangs beschriebene assoziationsbereite und
widerstandsfreie Lesehaltung ein, so wird einem, gute Kenntnis der übrigen
Werke Schmidts vorausgesetzt, bei genügend Beharrlichkeit das Weitere zufallen.
In diesen Texten ist nämlich jedes Detail mit anderen in so dichte
Beziehungsgewebe verschränkt, daß es nichts Isoliertes und nichts Beliebiges
mehr gibt. Der Gewinn, der jedem einzelnen Leser wie der Literatur insgesamt aus
diesen Erzählungen einmal zuwachsen wird, ist gar nicht hoch genug zu
veranschlagen. Das läßt sich schon heute sagen, wo die Eigenart dieser Texte
sich erst langsam zu enthüllen beginnt.
ANMERKUNGEN
Die
Arno-Schmidt-Zitate sind den nachfolgend aufgeführten Ausgaben entnommen (in
Klammern die in Text und Anmerkungen verwendeten Kürzel):
Das
steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954.
(Karlsruhe:)
Stahlberg
Rosen
& Porree. (Karlsruhe:) Stahlberg (1959).
(= R&P)
Kaff
auch Mare Crisium. (Karlsruhe:) Stahlberg (1960). (= Kaff)
Nobodaddy's Kinder. Trilogie Aus dem Leben eines Fauns. Brand's Haide. Schwarze
Spiegel..
Reinbek bei Hamburg:) Rowohlt (1963).(Rowohlt Paperback.
23.) (= NK)
Sitara
und der Weg dorthin. Eine Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays
(Karlsruhe:) Stahlberg (1963). (=
Sit)
Kühe
in Halbtrauer. Karlsruhe:) Stahlberg (1964). (=
KiH)
Trommler
beim Zaren. (Karlsruhe:) Stahlberg (1966). (= TbZ)
Zettels
Traum. Faksimile-Wiedergabe des einseitig beschriebenen, 1334 Bl.
umfassenden Manuscripts. Studienausgabe. Buch 1-8.) (Frankurt a. M.:) S. Fischer
(1973).
(= ZT)
Die
Schule der Atheisten. Novellen-Comödie in 6 Aufzügen {Frankfürt a. M.:) S.
Fischer (1972). (= SdA)
Abend
mit Goldrand. Frankfurt a. M.:) S. Fischer (1975).
( AmG)
1.
Vormweg, Heinrich: Prosa in der Bundesrepublik seit 1945. In:
Die Literatur der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. von Dieter Latttnann. - München
& Zürich: Kindler (1973).(=
Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart in Einzelbänden. [Bd. 1]: Autoren,
Werke, Themen, Tendenzen seit 1945.) S. 141-343. Hier: S. 274.
2. Kaff S. 77:: ,,Un die Bauern gröltn: ein Publikum wie aus Hanssax; die altn Motiewe wirkn tatsächlich immer wieder. (Und ein Schriftschteller, der sich dazu entschließn mag, hat leichte Arbeit.)." Unverständlich, warum die Schmidt-Pltilologen die Stelle immer wieder zitieren, um ihre Vermutung zu bekräftigen, daß Mythologisches außer in CüS auch in anderen Texten verborgen sein müsse!
3.
Finke, Reinhard: „Kundisches Geschirr“ - Kein Begriff? Ein Beitrag zur
Verwendung mythischer Muster bei Arno Schmidt. In: Arno Schmidt Text + Kritik,
Heft 20/20a, 3. Aufl., Mai 1977. - München:
Edition Text + Kritik 1977.S.33~47.
4. Drews, Jörg: Work after the “Wake”, or:
A first look at the influence of James Joyce on Arno Schmidt. In:
Bargfelder Bote, Lfg. 19, Februar 1977,
5. 10.
5.Stekel,
Wilhelm: Die Sprache des Traumes. Eine Darstellung der Symbolik und Deutung des
Traumes in ihren Beziehungen zur kranken und gesunden Seele für Ärzte und
Psychologen. - Wiesbaden: Bergrnann 1911. S. 2 (Zitiert:
Stekel, Traum.)
6. Bargfelder Bote, Lfg. 10, Januar 1975.
7.
Bargfelder Bote, Lfg. 32-33, Juni 1978.
8.
Wollschläger,
Hans: Noch 'ne Anthologie. Aus der Werkstatt deutscher Autoren. In:
9. Hinrschfeld, Magnus: Der urnische Mensch. - Leipzig: Spohr 1903. (=
Sonderabdruck aus: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen.)
10. Mitteilung von Josef Huerkamp. Bernd Rauschenbach, der den Ort
besucht hat, berichtete über die südliche Lage der Ölbohrtürme.
11.
Borneman, Ernest:
Sex im Volksmund. Die sexuelle Umgangssprache des deutschen Volkes. Wörterbuch
(u. Thesaurus). - (Reinbek bei Hamburg:) Rowohlt (1971).
12. Hinweis
von Josef Huerkamp.
13. Abraham, Karl: Psychoanalytische Studien.
Gesammelte Werke in 2
Bänden.
Hrsg. u. eingel. von Johannes Cremerius. (Frankfurt a. M.:) S. Fischer 1971. (= Conditio humana.) Hier Bd II, 5. 82 f.
14. Vgl. Freud,
Sigmund: Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet (Unter Mitwirkung von ...
hrsg. von Anna Freud, E[duard] Bibring ~. [u.a.]) Bd. 1-18. - Frankfurt a. M.:)
S. Fischer (1963-1968). Hier Bd. 9, S. 101-103.
15. Internationale Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse (5ff.: ... fur
Psychoanalyse). Offizielles Organ der Internationalen Psychoanalytischen
Vereinigung. Hrsg. von Sigmund Freud. - Leipzig & Wien, (8 ff.: Zürich):
Heller (5ff.: Internationaler Psychianalytischer Verlag) 1913.
16. a. a. O.S.i6i.
17.
Stekel, Traum, S. 48, Anm. 1.
18. Sit, 5. 164. Die hier beschriebene Technik, ein vorherrschendes Motiv (Voyeurismus) mit vielseitigen Verknüpfungen in einemm Wort bzw. Ding zu komprimieren, kann man auch an den ,,Händen“ und den ,,Köpfen“ des Textes studieren: beide Körperteile werden in auffallender Häufigkeit in unterschiedlichen Zusammenhängen genannt. Sie sind eine Oberflächenabbildung des Untergrundthemas ,Onanie. Hand ohnehin und Kopf über die Symbolentsprechung Glans penis.
19.
Penis-Symbole,
laut Stekel, TraumS. 73,Anthropophyteia, Bd. 2, S.132, Freud,
Gesammelte Werke, Bd. 9, S. 157.
20. Vgl. ZT 796nrrn: ,,eye'n Sâm'n“ sowie Sit S.29
„ein-samen“.
21.
Hier wieder eine Verbindung zu „Trommler beim Zaren“ - via ,,Brandenburger
Tor“.
22.
Ich verweise zum Verständnis des Folgenden auf. Stekel, Wilhelrn: Störungen
des Trieb- und Affektlebens (Die parapathischen Erkrankungen). Bd. 2. Onanie und
Homosexualität (Die homosexuelle Neurose). 2., verb. u. verm. Aufl. - Berlin
& Wien: Urban & Schwarzenberg 1921. Ebenso auf: Böhm, Felix: Beiträge
zur Psychologie der Homosexualität 1. Homosexualität und Polygamie. In:
Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Jg. 6, 1920, S. 297-319. Mit
Fortsetzungen in den späteren Jahrgängen der Zeitschrift.
23.
Stekel, Störungen, S. 200.
24.
Stekel, Traum, S. 135.
25. Stekel, Traum, S. 134 f..
26. Ebendort.
27. Stekel, Traum, S.222.
28.
Stekel, Traum, S. 220: Der Penis
wird häufig als Rad symbolisiert. [Anm. 1] Vgl. das Studentenlied: „Und der
Windemüller mahlt / Wenn sein Windradel geht - / Und er küßt seine Frau /
Wenn sein Windradel steht.“
29. Abraham, Psychoanalytische Studien, Bd. 2, S.
197-225.
30. Abraham, a. a. 0., S. 204
31.
Vgl. etwa CüS:
„... . von einem COLA de caballo Fahrer hatte pimpern lassen - hattrick?; ich
hatz nich genau mitgekriegt; jaja de Libe.“ (KiH, S. 227.) Schon in Brand's
Haide signalisiert dieses Nicht-recht-Verstehen etwas Hintergründiges.
„’Die Undine kennt Jeder von uns erementaschen hier'“, versetzte er mit Würde;
ich hatte das vorletzte Wort nicht verstanden;“ (S.. 94). Auch in der
Nibelungen-Parodie des Rornans ,,Kaff“ werden die verbalhornten Namen durch
zweifellndes Fragen besonders hervorgehoben: .“... ER, DER HELD:
Alabarna-Dillert! (Die ,Mutter aus Utah’? - Jetz hatt' ich nich aufgepaßt;
das hatt' ich nich gans mit gekrickt." (Kaff,
S 95 f.)
32. Freud, Gesalnmelte Werke, Bd. 2/3, S. 520.
33. Stekel,
Traum, S. 97.
34
.Elisar von Kupffer, homosexueller Maler und Schriftsteller. Vgl. Allgemeines
Lexikon der bildenden Künstler des 20.
Jahrhunderts. Unter Mitwirkung von Fachgelehrten des In- und Auslandes bearb.,
red. u. hrsg. von Hans VolImer. Bd. 1-6.. - Leipzig: Seemann 1953-1962. Hier Bd.
3, S. 141. Vgl. auch ZT 1128 mo und 1310 lo. - Hinweis von Bernd
Rauschenbach.
35.
Vgl. Stekel, Traum, S. 343 und Freud, Gesammelte Werke Bd. 5, S. 103.
36.
Fritz Barthel:
Letzte Abenteuer um Karl May. - Bamberg: Ustad-Verlag (1955).
37. Hier wieder Querverbindungen zur Trommler-Erzählung: ,,die fleckigen Tischplatten“, ,,überall blättert die Tünche ab“ (arn Brandenburger Tor). Vgl. TbZ, S. 11 und S.16.
38. Freud, Gesammelte Werke, Bd. 11, S. 159 und Bd. 2/3, S. 360; Stekel, Traum, S. 152: ,,Holz ist steif und hart und fängt leicht Feuer..... Auch der Tisch, dieses wichtige Sexualsymbol und das Bett (seine assoziative Ergänzung) sind aus Holz..“
39.
Stekel, Traum, S. 11.
40.
Vgl. Huerkamps Ausführungen zu ,,der Bereffende“ in der Trommler-Erzählung
und Schmidts Ausführungen zu Stifters ,,es ergriff einen ein Gefühl eines
Bedeutungsvollen“ in Sit, S. 357, wo auch das ,,May'sche Verquellen' von
,,Derselbe wußte, daß Dieselbe dasselbe...“ erwähnt wird.
41.
Vgl. Freud, Gesammelte Werke, Bd. 11, S. 167: ,,Das Abreißen eines Astes als
symbolische Darstellung der Onanie stimmt nicht nur zu vulgären Bezeichnungen
des onanistischen Aktes, sondern hat auch weitgehende mythologische
Parallelen..“ - Stekel, Traum, S.69 zur Zahl 35: ,,mit den Fünfen reiss ich,
also auch Onanie (Sich einen herunterreißen)“; - ~ZT 661 rm: ,,(Wieso 36? - [ ] oder war ,sex & reiß' ich’ gemeint?)“;
in der Erzählung ,,Schwänze“ (KiH, S. 109-134) findet sich eine Metamorphose
dieses Motivs: ,,Caspar ist imstande und verbeugt, beim Grüßen der Nachbarin,
dem jungen Mirabellenbäumchen den untersten Ast ab!' (a. a. 0., S. 113.).
42. ,,Auch dieser Ausflug, wie alle Ausflüge im Traum, geht ins Gebiet der Erotik.“ Stekel, Traum, S. 146.
43. Borneman, Sex (Thesaurus), 47.41.
44.
Freud, Gesammelte Werke, Bd. 2/3, 5. 335. - Die Schwäche von Reinhard Finkes
Hypothesen kann auch aus der Mißachtung (oder bloß Unkenntnis) dieser Regel
erklärt werden: er fügt eine weitläufige Argumentationskette an die
selbsterdachten Varianten zu der von Schmidt durchgehend verewendeten Namensform
,,Seidel“ (,,Saitel“, ,,Zeidler“ usw.) und übersieht dabei, daß die
Deutungsarbeit bei der nur einmal auftauchenden Namensform ,,A. Seydel“
anzusetzen hätte.
45.
a. a. 0., S. 4~52.
46.
Sadger, a. a. 0., S. 51.
47. Borneman, Sex, (Wörterbuch).
48.
Vgl. Feller, F. M.: Psycho-Dynamik der Reklarne. - Bern: Franke 1932, S.209 ff.
49.
Stekel, Traum, S.297 Anm. 1.
50.
Borneman, Sex, (Thesaurus) 77: ,,,gelbe Datsch“, ,,gelbe Linde“.
51.
Stekel, Traum, S.297, Anm. 1.
52. Borneman, Sex, (Thesaurus) 35.5.
53.
Ostwald, Hans: Rinnsteinsprache. Lexikon der Gauner-, Dinen- und
Landstreichersprache. Berlin: „Harmonie“ Verlagsges. für Literatur und
Kunst (1906), S. 141.
54.
Freud, Gesammelte Werke, Bd. 17, S. 91.
55. Stekel, Traum, S. 69.
56.
Stekel, Traum, S. 203.
57.
Vgl. ZT 988 ru: „( er ist es. - / Obwohl nich ganz = genau der 16. 6.: sey
Mir gepriesen, Mann aus Dublin !)/“
58.
Rümkorf, Peter: Über das Volksvermögen. Exkurse in den literarischen
Untergrund. [Gekürzte Taschenbuchausgabe.] – (Reinbek bei Hamburg:) Rowohlt
(1972). (- rororo Taschenbuch. 1180.), S.40: .“einrnal rein, einmal raus,
fertig ist der kleine KIaus“.
59.
Stekel, Traum, S.153, 156 und 273.
Zu den Arbeiten
Zeichensprache,
Wurzelholz und Widerstand.
Arno Schmidts Erzählung "Kühe in Halbtrauer" als Vier-Instanzen-Prosa
gelesen.
Issis zu glaubm? Zu einem Motivzusammenhang in Arno Schmidts Erzählung "Kundisches Geschirr" .