ZEITTAFEL ZU LEBEN UND WERK JULIUS STINDES
Julius Ernst Wilhelm Stinde verwendete die folgenden Pseudonyme:
Theophil
Ballheim, Dr.
Böhm, Wilhelmine
Buchholz,
Julius
Ernst,
David
Hersch, Homo, Monacensis,
Julius
Neuland, D.
Quidam, J.
Steinmann, Dr. Julius Stöhr, Alfred de
Valmy, Richard E.
Ward.
Zur Bibliographie
Julius Stinde
- 1841 am 28. 8. wird Julius Ernst Wilhelm
Stinde in
Kirch-Nüchel
(Holstein) geboren als zweites Kind des Pfarrers Conrad
Georg Stinde (11. 1. 1805 - 6. 2. 1881) und Holdy Anna
Constantine (oder
Constanze) Stinde, geb. Gardthausen (25. 9. 1811 - 4. 3. 1848).
- 1844 erhält Stindes Vater die Pfarrstelle in Lensahn.
- 1844 am 23. Juli Geburt des Bruders Conrad Ernst Sophus Stinde,
der als Kind schon eine Begabung zur Malerei zeigt.
- 1846 am 28. März Geburt von Constantin Stinde.
- 1848 am 4. 3. stirbt Julius Stindes Mutter nach der Geburt des
fünften Kindes, das nur wenige Tage am Leben bleibt.
- 1848-1850 Deutsch-Dänischer Krieg, der mit einer Niederlage
der preußisch-hannoverschen und der schleswig-holsteinischen
Truppen endet.
- 1850 (?) Wiederverheiratung des Vaters mit Bertha, geb.
Horn (1. 3. 1817 - 7. 3. 1904).
- 1851 Besuch des Gymnasiums in Eutin.
- 1853 am 21. 9. Geburt der Schwester Sophie Marie
Nicoline, die später Malerin wird.
- 1856 am 30. 12. Geburt der Schwester Conradine, die
später Schriftstellerin wird.
- 1858 Beginn der Lehre beim Apotheker Versmann in
Lübeck.
- 1860 am 2. September Tod des Bruders Conrad Ernst Sophus in
Kopenhagen.
- 1861 Beginn des Studiums der Chemie in Kiel und Gießen.
- 1863 Promotion in Jena, mündliche Prüfung am 15. 10.
1863. Thema der Dissertation: "Über einige Silbersalze
und deren Verhalten zum Lichte". In Jena hat Stinde nicht
studiert, sondern nur promoviert.
- 1864 Deutsch-Dänischer Krieg, nach dem Schleswig, Holstein
und Lauenburg an Preußen und Österreich fielen.
- 1864-1867 Julius Stinde arbeitet als Chemiker und Werksführer
bei der Firma Grabe & Co, Billwerder Steindamm 23 in Hamburg.
Seine Anschrift: Borgfelder Str. 20 bei G. Oden. Vermutlich ab
1865 lieferte er Beiträge zu Zeitungen: Hamburger Gewerbeblatt,
Spener'sche Zeitung, Wiener Presse, Jahreszeiten, Hamburger Novellenzeitung,
Münchner Fliegende Blätter u. a. Daneben stellte er
mikroskopische Präparate her für das Rodigsche Institut,
gab Unterricht an einer höheren Knabenschule und hielt Vorträge
im Gewerbeverein und im Arbeiterbildungsverein. Die Angaben zeitgenössischer
Nachschlagewerke (Meyer, Brockhaus, Kürschner), die auf persönlichen
Mitteilungen beruhen, besagen, dass Stinde die Redaktion
des "Hamburger Gewerbeblattes" übernahm und Mitarbeiter
der "Reform" war. Im autobiographischen Aufsatz "Aus
der Lehrzeit eines Zeitungsschreibers" stellt Stinde die
Sache anders dar: erst Mitarbeit am Gewerbeblatt, dann Redakteur
bei der "Reform".
- 1865 erste selbständige Veröffentlichung, die
Broschüre
"Kurzer Katechismus der mikroskopischen Untersuchung des
Schweine- und Menschenfleischs auf Trichinen" im Verlag J.
F. Richter.
- 1866 Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland, aus dem
Preußen
siegreich gegen Österreich hervorging. Schleswig-Holstein
wird preußisch. Gründung des Norddeutschen Bundes.
In diesem Jahr erscheint unter dem Pseudonym "Wilhelmine
Buchholz" im Verlag des Herausgebers der "Reform",
J. F. Richter, "Wasser
und Seife oder allgemeines Wäschebuch" als Lieferungswerk.
- 1868 "Blicke durch das Mikroskop" beginnt als
Lieferungswerk
zu erscheinen. (Das spätere Gesamttitelblatt trägt das
Erscheinungsjahr 1870.)
- 1869 (?) erstes Theaterstück am Carl-Schultze-Theater: "Hinterm
breiten Giebel", geschrieben zusammen mit Johannes Meyer.
Der Text ist nicht erhalten. Das Stück hat (Stindes autobiographischen
Berichten zufolge) nur wenige Aufführungen erlebt.
- 1870-1871 Deutsch-Französischer Krieg. Zusammenschluss
des Süddeutschen mit dem Norddeutschen Bund zum Deutschen
Reich.
- 1870
"Ein
verwundeter Turco in Hamburg" unter dem Pseudonym "Julius
Ernst". Der Text des
Stückes ist nicht erhalten. Die Titelangaben in der Sekundärliteratur
variieren. Schneider (1955): "Der erste Turco". Auch
die Version "Ein verwunderter Turco" kommt vor!
- 1871 "Die Nachtigall aus dem Bäckergang".
"Eine Blumenhändlerin auf St. Pauli".
- 1872 "Die Jagd nach dem Glück". Der Text des
Stückes
ist nicht erhalten. "Lohengrün oder Elsche von Veerlann",
Text ebenfalls nicht erhalten. "Eine Hamburger Köchin".
Unter dem Pseudonym "J.
Steinmann" erscheint der Polizeiroman
"In eiserner Faust". Stinde hat offenbar noch weitere
Romane unter dem Pseudonym "J. Steinmann" veröffentlicht.
- 1873 "Tante Lotte". "Hamburger Leiden". Alle
Stücke wurden vom Karl-Schultze-Theater aufgeführt,
die beiden letzten mit großem und anhaltendem Erfolg. Stinde
führt den Erfolg auf die Kunst der plattdeutschen Schauspieler
Lotte
Mende, Heinrich
Kinder, Karl Schultze
u. a. zurück.
Feuilleton-Beiträge aus der "Reform" und aus anderen
Blättern erscheinen als Buch unter dem Titel "Alltagsmärchen".
Die "Reform"-Artikel über Richard Wagner erscheinen
unter dem Titel "Meistersingermotive", die naturwissenschaftlichen
Aufsätze unter dem Titel "Naturwissenschaftliche Plaudereien".
- 1874 Hamburger Stadttheater: "Prinzeß
Tausendschön".
Der Text ist nicht erhalten. Thalia-Theater: "Das letzte
Kapitel". Der Text ist nicht erhalten. Julius Stindes Vater
wird zum Kirchenprobst ernannt.
- 1875 Hamburger Stadttheater: "Prinz Unart". Der Text
ist nicht erhalten. In Lübeck wird die romantische Oper "Ännchen
von Tharau" aufgeführt, Text von Julius Stinde, Musik
von Ernst Catenhusen.
- 1876 Umzug nach Berlin N.W., Dorotheenstraße 82, vielleicht
durch Julius
Stettenheim vermittelt. Freundschaft mit dem Maler
Fritz
Paulsen. Durch den "Verein Berliner Künstler"
Bekanntschaft mit einflussreichen Berlinern, u.a. mit Emil
Jacobsen und mit seinem künftigen Verleger Carl Freund, mit
Redakteuren und Zeitschriftenherausgebern. Mitarbeit am "Deutschen
Montagsblatt", bei "Daheim", "Die Gegenwart"
u.a.
- 1878 am 25. November erste Veröffentlichung im
"Deutschen
Montagsblatt" unter dem Pseudonym "Wilhelmine
Buchholz". Titel: "Puppenkomödie.
Ein Drama aus dem kleinbürgerlichen
Leben." Buchveröffentlichung: Die satirischen Aufsätze
gegen die materialistische Naturphilosophie der Zeit, die Stinde
unter dem Pseudonym "Alfred de
Valmy" in der "Reform"
veröffentlicht hatte, erscheinen unter dem Titel "Die
Opfer der Wissenschaft".
- 1880 Brief und Manuskript der "Waldnovellen" an seinen
künftigen Verleger Carl Freund. Mitarbeit bei der neuen Zeitschrift
"Schorers Deutsches Familienblatt". Buchveröffentlichung:
"Aus der
geheimen Werkstatt der Natur!" (Gesammelte
naturwissenschaftliche
Aufsätze).
- 1881 am 6. Februar Tod des Vaters. Im Verlag Freund & Jeckel
erscheinen "Das
Dekamerone der Verkannten" und "Waldnovellen".
Julius Stindes Gesundheit ist schlecht, dem Rat seines Arztes
folgend macht er eine längere Italienreise.
- 1882 Gründung des "Allgemeinen Deutschen
Reimvereins"
durch Emil Jacobsen. Stinde betreibt in diesem Rahmen als "Direktor
Theophil
Ballheim" eine fiktive Dicht-Lehranstalt für Erwachsene.
- 1883 "Buchholzens in
Italien" erscheint.
- 1884 Ende der Mitarbeit am "Deutschen Montagsblatt".
Die Buchholz-Beiträge erscheinen von nun an in "Schorers
Familienblatt".
- 1884
"Die Familie Buchholz" erscheint.
- 1885 "Der Familie Buchholz zweiter Theil".
"Berliner
Kunstkritik mit Randglossen von Quidam".
- 1886 Anschrift: Mittelstraße 63. "Die Familie
Buchholz"
erscheint in der 50. Auflage. "Frau Wilhelmine" (Der
Familie Buchholz dritter Theil). Plagiatsaffäre Unflad.
Im Verlag Albert
Unflad in Leipzig erscheint
"Buchholtzens
in Paris". Die äußere Aufmachung des Bandes ist
eine Imitation der im Verlag Freund & Jeckel erschienenen
Buchholz-Bücher.
- 1887 "Die Perlenschnur und Anderes".
- 1888 ("Dreikaiserjahr") Orientreise. "Frau
Buchholz im Orient".
- 1891 "Pienchens Brautfahrt".
- 1893 "Der
Liedermacher".
"Humoresken". "Geschichten von
drüben". Das
Torfmoor.
- 1894 "Ut'n
Knick. Plattdeutsches".
- 1895 "Wilhelmine Buchholz' Memoiren".
- 1897 "Hotel Buchholz. Ausstellungserlebnisse der Frau
Wilhelmine Buchholz".
- 1898 am 22. 2. Tod des Freundes Fritz Paulsen.
- 1900 "Tante Konstanze. Norddeutsche Novellen" und
"Martinhagen"
erscheinen im Verlag Freund & Jeckel. Die Buchholz-Bücher
erscheinen von nun an im Verlag Grote.
- 1904 Tod der Stiefmutter. Die Schwester Conradine
zieht zu
Stinde nach Berlin. Anschrift jetzt: Nachodstraße 15, Wilmersdorf
bei Berlin.
- 1904 "Emma,
das geheimnisvolle Hausmädchen oder der
Sieg der Tugend über die Schönheit".
- 1905 am 5. 8. Tod durch Herzschlag während eines
Ferienaufenthaltes
bei Landrat Federath in Olsberg im Sauerland. Beisetzung in Lensahn
am 11. August.
Alle deutschen Zeitungen bringen Meldungen über Stindes Tod.
Ausführliche Nachrufe erscheinen von Franz
Hirsch,
Marx
Möller,
Heinrich
Seidel,
Johannes
Trojan und
Hanns von
Zobeltitz. Eine ausführlichere
Würdigung von Marx Möller
erscheint in einem posthumen Sammelband mit dem Titel "Heinz Treulieb".
Der Nachlass Julius Stindes verblieb bei seiner Schwester
Conradine. Der
Nachlass wurde von dem Germanisten und Schriftsteller
Marx Möller und von Stindes Verleger Carl Freund durchgesehen,
"Unfertiges" wurde vernichtet. Im Jahr 1930 gab Adolph
Nissen, der mit Conradine Stinde bis zu deren Tode (1925) zusammengelebt
hat, Teile des Nachlasses an das Märkische Museum. Anlass
war eine Ausstellung unter dem Titel "Alt-Berlin", bei
der auch eine Stinde-Koje eingerichtet wurde. Buchmanuskripte, Briefe, Fotos bleiben bei der Literaturabteilung des Märkischen
Museums. Die in der damaligen Ausstellung gezeigten Bücher gelangten in die Bibliothek des Märkischen Museums und sind heute in der Hauptbibliothek der Stiftung Stadtmuseum Berlin aufgestellt. Der übrige Nachlass wurde nach Nissens Tode im
Jahre 1957 an die Universitätsbibliothek der Freien Universität
Berlin abgegeben. Von hier ist dieser Nachlassteil 1979
an die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin abgegeben worden. Er
erhielt die Nummer 138 und wird in 8 Kästen aufbewahrt.
-
Kasten 1: Lebensdokumente, Fotos
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Kasten 2: Zeitungsausschnitte mit Texten von und über Stinde
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Kasten 3: Unterlagen für Lesungen, Stoffsammlungen
(Zeitungsusschnitte), Gedichtmanuskripte, Originalzeichnungen von Richard
Knötel zu Stindes "Martinhagen"
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Kasten 4: Notizhefte zu verschiedenen Themen und Dichtungen
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Kasten 5: Drucksachen von Conradine
Stinde, Postkarten von
Julius Stinde an seine Schwester Conradine, Briefe an Julius Stinde von
wichtigen Korrespondenzpartnern
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Kasten 6: Briefe an Julius Stinde
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Kasten 7: Briefe an Julius Stinde, vornehmlich Verehrerpost
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Kasten 8: Stinde-Unterlagen von Adolph Nissen
Die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Kiel hat seit den zwanziger Jahren auf Handschriften-Auktionen und
aus Antiquariaten Stinde-Briefe und -Manuskripte erworben. Weitere
Briefe Stindes befinden sich verstreut in deutschen Bibliotheken
und Archiven. Das Briefverzeichnis in der Stinde-Bibliographie weist Bestand und Aufbewahrungsorte
nach. Die Gemeinde Lensahn besitzt eine kleine Sammlung von
Erinnerungsstücken an Julius Stinde und seine Familie:
Porträts, Fotos, die silbernen Tauf-Becher der Stinde-Kinder und
Weiteres. Nachweise von Stinde-Handschriften gibt es im Verzeichnis "Deutsche
Dichterhandschriften des Poetischen Realismus".
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© 1997-2011 Ulrich Goerdten