Von Geheimwissenschaften
[Zuerst abgedruckt in: Daheim 29
(1892/93) 731-734.
Wieder abgedruckt in: Heinz Treulieb und
allerlei Anderes von Julius Stinde. Hrsg. von Marx Möller. Berlin: Freund 1906,
S. 236-248.]
Es gibt gar vieles, dessen Tatsächlichkeit
der Gebildete von heute nicht zugeben darf, wenn er nicht in die Acht der
Unaufgeklärtheit getan und als Leichtgläubiger oder geistig Beschränkter
verlacht werden will. Und doch scheint das Verlachen und Verleugenen dem Ringen
nach Erkenntnis auf jenem Gebiete nicht länger Einhalt tun zu können, das
seit alters her als das Gebiet des übernatürlichen bezeichnet wurde.
Es gibt Vorgänge, Erscheinungen des
Natur- und Seelenlebens, die von der offiziellen Wissenschaft nicht anerkannt
werden, deren Untersuchung als unstatthaft gilt, weil ihre Ursachen den Sinnen
verborgen sind und sich der üblichen Messung und Wägung entziehen. Die
Erforschung dieser geheimen, verborgenen Ursachen ist die Aufgabe der
Geheimwissenschaft, die daher ihren Namen hat, neuerdings auch kurzweg
Okkultismus genannt wird. Zu den Erscheinungen des Natur- und Seelenlebens
genannter Art gehören die wissenschaftlich verrufensten Dinge wie: der böse
Blick, das zweite Gesicht, die Wünschelrute, Wahr- und Warnträume,
Doppelsehen, Fernwirkung Sterbender, Somnambulismus, magische Heilungen,
Gedankenübertragung, Tischrücken, Klopftöne, Geister- und Spukerscheinungen,
Medien, Spiritismus.
Von dieser Liste wendet sich der
moderne Aufgeklärte schaudernd ab und preist die heutige helle Zeit, in der solche
Erzeugnisse des finstersten Aberglaubens schon von einem Schulknaben als
vernunftwidrig verworfen werden. Trotzdem aber sprechen sich vernünftige Männer,
sogar hervorragende Gelehrte der exakten Wissenschaften dahin aus, daß es
geboten sei, jenen sogenannten übersinnlichen Erscheinungen nachzuforschen, um
dem Aberglauben, der sich an sie knüpft, zu zerstören und durch ihre
Erforschung die Erkenntnis des Menschen zu fördern. Viele glaubwürdige Männer
sind Zeugen übersinnlicher Erscheinungen gewesen, und zwar auch in der jüngsten
Zeit; nachdem sie auf das peinlichste feststellten, daß weder Selbsttäuschung
noch Betrug vorlag, wurden sie zu Jüngern der Geheimwissenschaft. Von den
Vielen sei hier besonders Alfred Russel Wallace, der englische Zoologe genannt,
der von sich selbst sagte, daß Spencer, Daniel Stauß und Karl Vogt seine
Propheten waren, und er keinen Platz in seinem Kopfe für die Vorstellung einer
geistigen Existenz hatte oder für andere Wirkungskräfte im Universum, als für
Kraft und Stoff finden konnte, bis sogenannte übersinnliche Tatsachen ihn zu
einem eifrigen Anhänger der Geheimwissenschaft machten. Ähnlich erging es
dem Professor der Physik Crookes, dem Entdecker des Thallium und der strahlenden
Materie, dem Professor der Chemie Butterlow in St. Petersburg, Lombroso, dem
italienischen Gelehrten, der zugleich mit dem berühmten Astronomen Schiaparelli
zu dem Schluß kam, daß die von ihm beobachteten unerklärlichen Erscheinungen
nicht auf künstliche Weise hervorgebracht, und daß solche Phänomene einer
wissenschatlichen Beachtung würdig seien. Professor Zöllner wurde bekanntlich,
als er den übersinnlichen Erscheinungen mit mathematischen Erklärungen nahe
trat, für geisteskrank erklärt; dem englischen Astronomen Huggins, dem
Mathematiker Morgan, dem Elektriker und Begründer des Kabeltelegraphen Varley
geschah dergleichen nicht, als sie für die Wirklichkeit des verschrieenen übernatürlichen
wissenschaftlich eintraten, weil in England die Forschung etwas freier ist,
als anderwärts.
So alt geschichtliche Aufzeichnungen
sind, ebenso alt sind die Nachrichten von übersinnlichen Erscheinungen. Die
Keilinschriften des Akkader berichten von unerklärlichen Klopftönen, das Alte
Testament bringt zahlreiche Zeugnisse von Wahr- und Warnträumen, von Magie
und Zauberei, die griechische und römische Literatur nicht minder, und jetzt,
da die Hieroglyphenschrift nur noch wenig Rätsel birgt, stellt sich heraus, daß
in Alt-Ägypten die Hypnose ebenso zu Heilzwecken benutzt wurde, wie heute. Wißmann
fand bei den Mawembas ein dem Gottesurteil entsprechendes Verfahren, Diebe und
gestohlenes Gut zu entdecken, das nichts als eine abgeänderte Art des Gedankenlesens
ist, und die Medizinmänner der Bella Koola-Indianer aus dem hohen Norden, die
vor einigen Jahren in Europa gezeigt wurden, verstehen sich auf spiritistische
Betrügereien, wovon ich mich selbst überzeugte, so gut, daß anzunehmen ist,
ihnen sind von jeher übersinnliche Erscheinungen bekannt, die sie zur Wahrung
ihres Ansehens künstlich nachahmen, wenn sie sich nicht einstellen, geradeso,
wie ertappte Berufsmedien es häufig genug machen. Daß der Asiate dieselben
unerklärlichen Erscheinungen kennt, wie der Afrikaner und der Nordamerikaner,
daß der Wilde ohne geschriebene überlieferung Dinge weiß, wie sie ähnlich
seit Jahrtausenden unlesbar in Hieroglyphen aufbewahrt wurden, muß jedem
auffallen, der sich noch wundern kann. Nach Tyndall aber ist es gerade eine
wesentliche Eigenschaft des Forschers, sich an der richtigen Stelle wundern zu können,
denn die Verwunderung soll der Ausgangspunkt neuer Untersuchungen sein, aber
nicht die Forschung mit dem Ausdrucke schließen, daß wir vor Unerforschlichem
stehen.
Man könnte die Frage also stellen:
"Was ist es um den Aberglauben? Was ist Wahres daran, was Tatsächliches,
was Selbsttäuschung, was Betrug? Welcher Art sind die Kräfte, die scheinbar
den uns bekannten Naturgesetzen nicht gehorchen?" So alt wie die
Erscheinungen sich auch diese Fragen und die Versuche ihrer Beantwortung.
Zur wissenschaftlichen Bearbeitung
eines Gebietes gehört vor allem seine Festlegung, die in diesem Falle mit der
geschichtlichen Behandlung beginnt. Den ersten Schritt hierzu hat K. Kiesewtter
in seiner "Geschichte des neueren Okkultismus" (Leipzig. W. Friedrich)
getan, indem er die geheimwissenschaftlichen Systeme von Agrippa von Nettesheim
bis zu Karl du Prel, vom Jahre 1530 bis auf unsere Zeit, so übersichtlich der
vergleichenden Betrachtung unterzog, daß auch der, der nur aus
Zeitungsberichten vom Okkultismus vernahm, sich über die geistige Bewegung
der Geheimwissenschaft seit 400 Jahren trefflich unterrichten kann.
Wir erfahren, wie die besten Geister
ihrer Zeit nach dem jeweiligen Standpunkte ihres Wissens die Ursachen übersinnlicher
Tatsachen erforschen und zu erklären suchten und Erscheinungen kannten, die in
unserer Zeit erst wieder neu entdeckt werden mußten, wie z. B. die des
Hypnotismus, die den Schlüssel zu vielen vermeintlichen Fabeln des Mittelalters
geben. Jemand, der damals Hypnose hervorrufen konnte, imstande war,
Suggestionsheilungen zu bewirken, wie jetzt Professor Forel in Zürich,
Professor Bernheim in Nancy, Dr. von Schrenck-Notzing in München, Dr. Moll,
Dr. Großmann in Berlin, Dr. Wetterstrand in Stockholm u. s. w. galt der
Zauberei verdächtig. Und doch war kein Teufesltrug dabei, wie aus folgender
Stelle eines Briefes hervorgeht, den Agrippa von Nettesheim an einen
Mitstrebenden schrieb:
"Dies ist jene höchste, wahre und
geheimste Philosophie von den Wunderwerken der Natur. Der Schlüssel dazu ist
das Verständnis, denn je höher sich unser Verständnis entwickelt, desto größere
Kräfte erlangen wir, um so leichter und mächtiger vollbringen wir die
schwersten Dinge. Wenn aber unser in das vergängliche Fleisch eingeschlossener
Intellekt nicht das Fleisch überwindet und seiner angeborenen Natur sich entäußert,
sokann er nicht mit jenen göttlichen Kräften ausgerüstet werden und ist gänzlich
unfähig, die verborgensten Geheimnisse Gottes und der Natur zu durchschauen. -
Du sollst wissen, daß wir die Ursachen so großer Wirkungen nicht außer uns
suchen sollen; in uns ist ein wirkendes Wesen, welches alles, ohne Beleidigung
Gottes und der Religion, erkennt und vollbirngt, was die Astrologen, Magier,
Alchymisten und Nekromanten versprechen. Ich sage, in uns ist der Urheber jener
Wunderdinge."
Und das ist es, was die
Geheimwissenschaft von der sog. exakten Wissenschaft unterscheidet: "Die
Erscheinungen hängen mit der geistigen Beschaffenheit des Menschen
zusammen."
Sanitätsrat Dr. Bruno Schindler sagt:
"Der Hauptfaktor alles Zauberglaubens ist die im moralischen Geiste liegende
Kraft auf die Außenwwelt zu wirken. Es ist dies eine vom Anbeginn der
Geschichte unbewußt und ungekannt im Menschen tätige Kraft, welche ihrer rätselhaften
Natur zufolge stets verschieden ausgelegt wurde, wenn sie sich auffällig äußerte:
sie führte auf den Scheiterhaufen oder zur Heiligsprechung." Schindler
erklärt: "Es ist die Wahrheit, daß der Mensch das Vermögen hat, auf die
Außenwelt zu wirken, was er bald mit der ganzen Kraft seines Willens und
Glaubens, bald unbewußt ausübt."
Allmählich entwickelte sich die Lehre
von der magischen Kraft des Seele weiter und zwar zunächst durch die Experimente
des englischen Forschers Prof. William Crookes. Er selbst war nicht in dem
Besitze jener Kräfte, von denen Agrippa von Nettesheim sagt, daß sie der Schlüssel
sind, sondern experimentierte mit dem Medium Mr. Home. Unter einem Medium ist
ein Mensch zu verstehen, in dessen Gegenwart übersinnliche Tatsachen zur Erscheinung
gelangen, von unerklärlichen Klopftönen, Bewegungen unberührter Gegenstände
bis zum Sichtbarwerden von Körperteilen und Körpern, zur Materialissation,
d. h. Verkörperlichung geisterhafter Wesen.
über die Medien herrschen große
Meinungsverschiedenheiten. Einige verwerfen sie als Betrüger, andere sehen in
ihnen die eigentümlich veranlagten Mittelspersonen zur Erzielung
geheimwissenschaftlicher Tatsachen und zur Verbindung mit den außer unserer
gewohnten Erscheinungswelt stehenden geistigen Wesenheiten, den Intelligenzen
der Spiritisten.
Manche Medien verbinden, des
Gelderwerbes wegen, die ihnen eigentümliche Kraft mit taschenspielerischen
Nachhilfen, zumal wenn ihre magischen Kräfte sich verlieren. Die echten Medien
sind über ihre Fähigkeiten meist nicht derart Herr, daß sie die Erscheinungen
beliebig hervorrufen können, sondern Diener der Kraft sind.[!] Daher verwirft
die Mehrzahl der Naturforscher die Geheimwissenschaft.
über die Bedingungen, die erforderlich
sind, daß ein Mensch ein Medium wird, wußte man wenig, wenn auch bekannt
war, daß Beschaulichkeit, das überwinden des Fleisches durch den Intellekt
jene Medien hervorbringt, die in Indien als Fakire, als Assiouas in Nordafrika
Unerklärlichkeiten ausführen, die in alter Zeit auch schon den indischen
Weisen, wie den äthiopischen Gymnosophisten möglich waren. Es hatte niemand im
Abendlande den Versuch gemacht, seine Kraft zu entwickeln. Von höchstem
Interesse ist daher die Abhandlung des Herrn D. A. Lampa, Assistenten für
Physik an der Universität Wien, in dem Juniheft der von Hübbe-Schleiden
herausgegebenen Monatsschrift "Sphinx" (Braunschweig, Schwetschke),
worin zum erstenmale mitgeteilt wird, wie durch ernstes Bemühen, durch
Experimentieren, sich jene Kraft entwickelt, die den Menschen zum Medium macht.
Dr. Lampa selbst war es, der an sich erfuhr, wie der anfangs geringe Grad von
Mediumschaft sich derart steigerte, daß er gezwungen war, die Versuche
einzustellen. Es kam dahin, daß seine Nachtruhe durch Klopflaute gestört
wurde, daß er im wachen Zustande Geisterscheinungen hatte, die ihn furchtbar
erschütterten - möglicherweise bloß Halluzinationen, wie er selbst sagt -
aber diese Phänomene waren so quälender Natur, daß er sie wieder beseitigen
mußte und zwar durch energischen Willen und Beschäftigung mit Mathematik und
Physik.
Prof. Crookes arbeitete mit dem Medium
Home unter allen Vorsichtsmaßregeln gegen Betrug. Das Resultat war, daß
Crookes zu demselben Ergebnis kam, wenn auch auf anderem Wege, wie Agrippa von
Nettesheim: auf die Kraft im Menschen, der er den Namen "physische
Kraft" gab. "Die Theorie der physischen Kraft ist an sich selbst nur
die Anerkennung," schreibt Crookes, "daß unter gewissen Bedingungen,
die bis jetzt vollkommen unermittelt sind, und innerhalb einer begrenzten, aber
bisher noch unbestimmten Entfernung aus den Körpern gewisser Personen, welche
eine besondere Nervenorganisation haben, eine Kraft hervorwirkt, durch die eine
Wirkung in die Ferne verursacht wird und hörbare Töne in festen Substanzen
(Tischen, Möbeln u. s. w.) hervorgebracht werden." - "Aber", heißt
es weiter, "ich und alle, welche die Theorie von der physischen Kraft als
Agens annehmen, durch welches die Erscheinungen hervorgebracht werden,
behaupten damit nicht, daß diese physische Kraft nicht zuweilen von einer
anderen Intelligenz, als dem Geiste des besonders organisierten Menschen,
ergriffen und gelenkt werden kann."
Diese "anderen Intelligenzen"
sind nun die sog. Spirits, die Geister der Spiritisten, welche behaupten, es
seien die Geister Verstorbener, die sich offenbaren. Hierüber äußert sich
Prof. Crookes: "Die Identität einer verstorbenen Person festzustellen, ist
der Hauptzweck gewesen, den ich in den letzten drei, vier Jahren vor Augen
gehabt habe, und ich habe keine Gelegneheit versäumt, mich über diesen Punkt
aufzuklären. Während dieser ganzen Zeit habe ich den Beweis gewünscht, daß
die Toten wiederkehren; ich habe aber noch kein einziges Mal den befriedigenden
Beweis erhalten, daß dies der Fall ist. Alles, wovon ich überzeugt bin, ist,
daß unsichtbare, intelligente Wesen existieren, welche die Geister
abgeschiedener Personen zu sein vorgaben." Anders urteilt Wallace, der berühmte
Zoologe, er sieht nicht ein, warum die Geister Verstorbener nicht wieder
erscheinen sollen.
Nach Carl du Prel sind wir Menschen im
tiefsten Grunde unseres Wesens schon jetzt Geister, und das Wirken in unserer
materiellen Welt als geistiges ist ein sehr eingeschränktes. Nur in Ausnahmefällen
und in beschränktem Maße können wir transcendentale Physik und Psychologie -
Geheimwissenschaft - treiben. Ebenso schwer mag es den Geistern werden, aus
ihrer Welt in unsere Sinnenwelt einzugreifen. Die Geister sind ihrer Welt angepaßt,
so gut wie wir der unsrigen. - "Wir nehmen nach dem Tode unsere seelische
Grundrichtung mit hinüber, und das bestimmt unser Verhalten im Jenseits.
Unnatürlich wäre es, wenn der Tod Gedanken, die fest in unserer Seele wurzeln,
auslöschen würde."
Gehen wir in ein Jenseits, so waren wir
in einem Jenseits, und unser Erdenleben ist nur eine Teilerscheinung unserer
ewigen Existenz. Nach den Materialisten sind wir Eiweißgeschöpfe, und unser
Geist ist ein Produkt des Eiweißstoffwechsels. Die Geheimlehre führt zu dem
Schlusse, daß unser Geist war - den irdischen Eiweiß- (Protoplasma) Leib nach
seiner Beschaffenheit bildete - und wieder sein wird mit einem anderen Leibe,
dem der Geisterwelt.
Seit Jahrzehnten verfolgt, wie du Prel
klagt, die Tagespresse mit wenig Ausnahmen die Tendenz, den Materialismus, in
kleine Münze umgesetzt, unter das Volk zu bringen. Die Geschichte hat oft
gezeigt, welche Verwüstungen der Materialismus anzurichten vermag. Schopenhauer
prophezeite, daß der theoretische Materialismus zum praktischen Bestialismus
- zum Anarchismus - führen werde. Keine Weltanschauung vermag Theorie zu
bleiben, sie drängt sich ins Leben. Aus dem Materialismus geht die Herrschaft
des Egoismus hervor, des Genusses und der Rücksichtslosigkeit.
Gar vielen ward vor ihrer Affenähnlichkeit
bange, die ihnen tagtäglich in den Zeitungen gepredigt wurde, und da die Aufklärung
ihnen die Religion genommen, wandten sie sich dem übernatürlichen zu, wie es
ein Zweig der Geheimwissenschaft, wenn auch ein sehr entarteter, ihnen
entgegenbrachte, dem Spiritismus. Der Spiritismus ist amerikanischen
Ursprungs, d. h. in der landläufigen Form. In Wirklichkeit sind seine
Erscheinungen alt, wie die geheimwissenschaftlichen Beobachtungen, deren
Deutung von Just. Kerner reiner und klarer ist, als alle angloamerikanischen
und französischen Verschrobenheiten. Nach dem Rechenschaftsbericht des Pariser
internationalen Spritistenkongresses gab es 1889 einige Millionen Spiritisten in
Amerika; darunter Longfellow, Edison, Professoren, Schriftsteller, Beamte und
Geistliche.
Der Spiritismus - in seiner Eigenschaft
als Pfuschreligion - ist durchaus zu verwerfen. Die spiritistischen Epidemien im
Mülsetal und Nordböhmen haben zur Evidenz erwiesen, daß die der Beschäftigung
mit dem Spiritismus zu Grunde liegenden Tatsachen Gift für ungebildete, den
Einflüssen gewissenloser Agitatoren ausgesetzte Volksschichten sind.
Durch die unwissenschaftliche
Behandlung der übersinnlichen Tatsachen wird der Aberglaube - nicht der Trieb
zur Erkenntnis - genährt. Die Religion aber, durch die der Mensch sich zu Gott
erhebt, wird vernachlässigt, da er sich am Spuk und am Gespenste genügen läßt.
Darum ist es gut, sich mit dem
Aberglauben zu beschäftigen, um zu sichten, zu trennen und zu wissen. Denn nur
der Wissende kann Irrende auf rechte Bahn leiten. Das treffliche Buch
Kiesewetters, die "Geschichte des Okkultismus", sei allen denen
empfohlen, die sich den Zeitströmungen nicht entziehen, sondern in der Zeit zu
stehen für ihres Amtes halten. Von Agrippa, Paracelsus, Cardanus, Bruno,
Helmont, Swedenborg bis zu Böhme, Jung-Stilling, Kerner, Ennemoser, Jackson
Davis, Allan Kardec, Crookes, von Hartmann, Zöllner, Hellenbach, du Prel u. a.
ist allerdings ein weiter Weg, aber er führt zu der Erkenntnis, daß nicht nur
"Kraft und Stoff" Gegenstand der Forschung ist, sondern auch der
geistige Teil des Menschen mit seinen Rätseln und Geheimnissen.